Glückliche Kindheit

Aktualisiert: 23. Okt 2019


...wenn wir unser Ego raus halten?!

Kindergeburtstag und Co. machen Mama froh?

Als meine Älteste in die Kita kam, war sie drei Jahre alt. Sie war voll und ganz damit beschäftigt, sich in den Alltag mit vielen fremden Kindern einzufinden -und ich im Umgang mit den Mamas und Papas. Kaum hatten wir unsere Eingewöhnungszeit hinter uns gebracht, bekam ich an der Garderobe mit, wie sich andere Neu-Mamas mit ihren Kindern für die Nachmittage verabredeten. Wie kam das plötzliche Interesse der Kinder aneinander? Ich hatte eher den Eindruck, dass die Kleinen die meiste Zeit mit sich selber beschäftigt waren oder damit, herzergreifend nach Mama oder Papa zu rufen. Der überhörte Dialog verlief ungefähr so: „Hallo, ich bin die Mama von Anna. Sie hat von deiner Leah erzählt und möchte unbedingt mit ihr zu Hause spielen.“ Mmh, die Anna wusste aber genau, was sie wollte mit ihren 3 Jahren. Meine Tochter wusste nur, was sie nicht wollte. Und das untermauerte sie lautstark mit „Meins“ oder „Nein“.

Irgendwann kam dann auch eine Mama auf mich zu. Ihre Tochter wollte mit meiner gerne spielen. Meine Älteste wusste gar nicht, um welches Mädchen es sich handelte -wie auch nach knapp 4 Wochen. Aber das hinderte mich nicht daran, zuzusagen. Schließlich ging es um mögliche, bleibende Lebens-freundschaften. Vor Ort fiel aber der Groschen! Die Mädels hatten 0 Interesse aneinander. Dafür die Mama an mir, meinem Leben und meinen Einstellungen. Ich denke, dass mein Bericht befriedigend ausfiel, da ihre Tochter sich häufiger nach meiner „sehnte“ und mit ihr spielen wollte.

"Ich habe heute leider keine Einladung für Dich!"

Ich fand es schon sehr befremdlich, dass die Eltern sich „im Interesse ihrer Kinder“ verabredeten. Und natürlich suchten sie sich nach gegenseitiger Sympathie untereinander aus. Ob die Kinder miteinander konnten, war eher zweitrangig. Ich ertappte mich dabei, wie ich leicht manipulativ meine Älteste Dinge fragte wie: „Die Anna ist doch eine ganz Nette, findest du nicht auch? Wollen wir da mal wieder zu Besuch oder sie zu uns einladen?“ Im Wahn, alles richtig zu machen und meiner Tochter bloß nicht die Chancen auf einen großen Freundeskreis zu verbauen, verabredete ich mich zu mehr oder weniger peinlichen Spielenachmittagen. Darüber kann ich heute nur noch den Kopf schütteln!

Wir Eltern wollen alles überperfekt für unsere Kinder in die Bahnen leiten und ihren Lebenslauf schon von frühster Kindheit an positiv beeinflussen und gestalten. Dabei merken wir gar nicht, wie lächerlich wir uns damit machen.

Alleine die Dramen, die sich um die berühmtberüchtigten Geburtstagsein-ladungen abspielen: Ein Taktieren, wer wen eingeladen hat und daher zurück eingeladen wird oder nicht. Ein Einreden mit Engelszungen auf das eigene Kind, bloß keine Kinder einzuladen, deren Eltern man nicht mag. Zum Glück war und ist meine Älteste da nicht so achtsam, was das eingeladen werden betrifft. Stattdessen litt ICH still, wenn ich Einladungen in den benachbarten Garderobefächern sah, während unserer leer blieb. Nicht immer! Aber auch nicht so oft, wie die der Kita-Lieblinge. Und das wünschen wir doch unseren Kleinen: von Anfang an zu den beliebten Kindern oder einfach nur dazu zu gehören.

Dein Thema? Oder meines?

Mittlerweile ist meine Große seit knapp einem Jahr in der Schule und wir haben sage und schreibe 0 Einladungen zu Geburtstagen bekommen. Komischerweise hat sie sich bisher noch nicht beschwert oder hinterfragt, warum sie bisher „leer“ ausging. Aber mein persönlicher Albtraum ist Wirklich-keit geworden. Meine Tochter ist positiv formuliert eine Individualistin -woher sie das wohl hat?! Sie kann stundenlang träumen, sich alleine beschäftigen, sich mit ihren Kuscheltieren unterhalten, in der Natur Pflanzen und Tiere beobachten, ohne sich schlecht zu fühlen oder sich zu langweilen. Sie ist einfach zufrieden, wenn sie nach einem anstrengenden Schultag Zeit für sich, ihre Ideen und ihre kleine Schwester hat. Verabredungen mit Freunden am Nachmittag sind ihr gar nicht so wichtig. Da könnte ich mich doch entspannt zurücklehnen und auch zufrieden sein. Aber nein, ich bin diejenige, die damit ein Problem hat. Warum eigentlich?

Ich gebe es zu, dass meine Kindheit und Schulzeit als „Ostblock-Immi“ nicht so reibungslos verlief. Daher wünsche ich meiner Tochter Harmonie, Zugehörig-keit und dass sie meine schlechten Erfahrungen nicht selber macht. Dabei schieße ich gerne mal über das Ziel hinaus. Denn um welche Themen geht es eigentlich? Tatsächlich die meiner Tochter oder um meine eigenen? Wenn ich einen Moment in Ruhe darüber nachdenke, fällt mir häufig auf, dass meine Tochter eigentlich ganz zufrieden mit ihrem Leben ist. Das einzige, was sie wirklich beeinflusst und unsicher macht, bin ich! Sie ist der Seismograph für meine persönliche Gelassenheit. Wenn ich mir nämlich dauernd den Kopf um ihre Freunde, ihre Verabredungen, ihre Hausaufgaben und andere Themen mache, werde ich gerne unleidig. Und DAS verbreitet dann tatsächlich eine miese Atmosphäre.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Ja, so schonungslos spiegeln unsere Kinder uns wieder: Wie wir gerade sind und wie wir als Kinder selber waren. Da ist es fast eine Kunst, als erwachsener Mensch nicht in frühkindliche Schemata oder Traumata zu verfallen. Sondern ganz entspannt darüber zu stehen und sich klar zu machen, dass das Kind zufrieden ist. Immerhin kann ich mir zu Gute halten, eine reflektierte Mutter zu sein, die das Problem erkennt und daran arbeitet.

Bei anderen Eltern hingegen merkt man förmlich, wie die Kinder für unerfüllte Träume und Sehnsüchte hinhalten müssen: sie werden in den Vordergrund geschoben, obwohl sie eigentlich zurückhaltend sind. Für sie wird verabredet und ein Riesenfreundeskreis aufgebaut, obwohl sie lieber mal in Ruhe alleine sein wollen. Sie werden zu Ballett, Fußball und co. geschleppt, obwohl sie stattdessen zu Hause oder draußen spielen wollen.

Ja, es ist nicht einfach, zu akzeptieren, dass unsere Kinder nicht so sind, wie wir uns das ursprünglich erträumt oder vorgestellt haben. Sie sind kleine Persönlichkeiten, die so angenommen werden wollen, wie sie eben sind. Mit all ihren liebenswerten und anstrengenden Seiten. Mit all ihren Stärken und Schwächen. Einfach als Menschen mit eigenen Vorstellungen und eigenem Willen! Und ist es nicht unsere Verantwortung als Eltern, ihnen diese Art von bedingungsloser Liebe zu geben? Ihnen den Rücken frei zu halten von eigenen und fremden Ansprüchen, Beurteilungen und Ängsten? Auch wenn das bedeutet, uns erstmal selber mit allen Schwächen im Spiegel zu erkennen und uns so anzunehmen wie wir sind.

Ich sage immer: „Wenn du gerne und tief an deiner Persönlichkeit und Entwicklung arbeiten möchtest, musst du nur Kinder bekommen. Dann hast du das jeden Tag, rund um die Uhr live und in Farbe.“ Was für eine Heraus-forderung! Aber auch eine wahre Bereicherung, auf die ich in meinem Leben nicht mehr verzichten möchte.


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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

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