Warum ich keine Spielplätze mag

Aktualisiert: 23. Okt 2019


"Mama-Blog die 100ste..."

Noch ein Beitrag einer Mama, die glaubt alles besser zu wissen?! JAIN…

JA, es stimmt schon, dass es mittlerweile eine Menge Mamas gibt, die ihren Alltagswahnsinn herzerfrischend ehrlich und amüsant im Internet teilen. Das hat sich in den vier Jahren, die zwischen meiner ersten und zweiten Tochter verstrichen sind, verändert. Oder ich nehme es jetzt bewusster wahr. Diese Mütter wollen es nicht „besserwissen“, sondern gehören zu den Müttern, die sich als authentische und fehlbare Frauen und Mütter der mitlesenden Community präsentieren. Das bringt eine erfreuliche Leichtigkeit in das Thema „Muttersein“. Leider scheinen diese authentischen Mütter selten anzutreffende Exemplare zu sein. Oder warum sind noch viele Mamas in meinem Umfeld so unentspannt im Umgang miteinander? Für mich daher die Autorisierung in die gleiche Kerbe weiterzuschlagen. Viel hilft viel…leicht.

NEIN, ich weiß es nicht wirklich besser. Es gibt zu viele Bücher, Blogs, Filme, Seminare über Mutter-werden, -sein, Familienleben, Kindererziehung, die ich nicht alle lesen, schauen, erlernen kann und will. Zu jeder Meinung, Methode, Einstellung oder Anschauung gibt es unzählige Gegenalternativen.

Trotzdem möchte ich etwas sagen und mit euch teilen, weil ich etwas bewirken und verändern möchte. Nicht im Sinne von Weltverbesserung, sondern ganz real im Alltag:

Spielplatz den Kindern!

Liebe Mamas, ich will mit meinen Mädels auf die Spielplätze dieser Stadt hinausgehen und mich gut dabei fühlen! Ich will mit authentischen und vor allem wohlwollenden Frauen über meine Bedürfnisse, Träume, Wünsche reden können, ohne direkt in eine Schublade gesteckt zu werden. Ich möchte meine Zerrissenheit, meine Über- und Unterforderung klagen können und ehrliche Anteilnahme spüren. Ich will meine Mädels einfach Kinder sein lassen dürfen, ohne ständiges Unbehagen, irgendwelche Trends und Entwicklungen zu verpassen. Dabei möchte ich mich nicht genötigt fühlen, mein Tun und Lassen zu rechtfertigen oder ständigen Vergleichen auszusetzen. Ich will keine Machtspielchen unter Müttern, kein Mama-Wetteifern, keine Stutenbissigkeit. Sondern Akzeptanz und Solidarität unter erwachsenen und verantwortungs-bewussten Frauen.

Leider sind Spielplätze für mich vor allem die Bühne raffinierter SM-Spielchen unter Müttern geworden. Die einen vergleichen, profilieren, sticheln und lästern (sado). Die anderen lassen es mit sich machen (maso). Und manche stehen dazwischen und wissen nicht wohin (auch maso). Purer Stress! Oft denke ich, wo bin ich denn hier gelandet? Das ist doch Kindergarten-Niveau!

Den gepflegten Rückzug antreten?

Als ich zum ersten Mal Mama geworden bin, habe ich alles mitgemacht. Von Babymassage, „SM-Mamatreffen“ daheim, Mütter-Cafés, Babyschwimmen, -turnen, etc. Meine Tochter hatte gelinde gesagt, mäßigen Spaß daran. Sie schrie oder schaute sich alles apathisch und überfordert an. Aber gut, als Erst-Mama wollte ich alles richtig machen und wenn das alles so angepriesen wird, muss es ja auch gut sein -für das Kind. Denn für mich war es wieder mal purer Stress. Damals hatte ich noch den naiven Glauben, wir Mütter sitzen in einem Boot, meinen es gut miteinander und wollen uns unterstützen. Die Spielchen liefen trotzdem ab. Aber ich war noch nicht so schlau, zu erkennen, was abgeht. Ich blieb grundehrlich und platschte von einem Fettnäpfchen ins andere.

Mit meiner zweiten Tochter war alles anders. Ich zog mich während der Wochenbettzeit mit ihr zurück und genoss das symbiotische Verhältnis. Da sie ein Winterkind ist, konnte ich mit ihr nach Herzenslust zu Hause kuscheln und einfach nur für sie da sein. Eine wunderbar harmonische Zeit. Leider werden die süßen Wonneproppen viel zu schnell neugierig und wollen etwas erleben.

Der Frühling stand ohnehin vor der Tür. Und da war sie dann wieder…meine persönliche Spielplatz- und Mama-Phobie. Aber diesmal war ich schlauer. Eine liebgewonnene Mama aus der Kita meiner Ältesten war zur gleichen Zeit wieder Mutter geworden. Sie wurde meine Verbündete und mir reichte es völlig aus, unsere Babys miteinander spielen zu lassen. Mit ihr zusammen auf die Spielplätze zu gehen, war auch wesentlich entspannter. Leider arbeitet sie wieder und ich bin als Vollzeit-Mama, die ihre Kinder mittags aus Kita und Schule abholt, wieder alleine und stehe vor dem selben Problem. Wo entspannt die Kinder spielen lassen, wenn man keine Lust auf unentspannte Mamas hat?

Wertung?! Nein danke…

Mittlerweile ziehe ich mich häufiger mit meinen Mädels in unseren Schreber-garten zurück. Dort genieße ich die Zeit mit ihnen und die Ruhe. Es ist ein wertungsfreier Raum. Keine direkten oder subtilen Wertungen, die sonst an jeder Ecke lauern:

Sei es die Nachbarin, die nur Baby- und Kindermotorisierung von Mclaren, Quinie, Römer vor der Tür stehen hat. Oder die Mama aus der Rückbildung, die das Kind überzeugt NUR in second hand kleidet oder eben nur in neuer Markenware. Sei es die Babygruppe, in der selig dreinblickende Mamas überzeugt stillen und „Fläschchenmamas“ verunsichert zusehen. Oder die geselligen Mamatreffen, in denen von besonders leichten Haus- oder lebens-bedrohlichen Marathongeburten erzählt wird. Sei es in der Kita die bösen Blicke der „Daheim-Mamas“ auf gestresste, berufstätige Mamas. Oder umgekehrt die herabwürdigenden Bemerkungen der „Working-Mamas“ über die unemanzipierten, bequemen "Daheim-Mamas". Und ich bin mir sicher, ihr wisst, was ich mit Blicken meine: eine Frau kann in einer Millisekunde mit einem einzigen Blick ihre komplette Einstellungen zu einer Person kommunizieren -positiv wie auch sehr negativ.

Das hört sich vielleicht klischeehaft an und die Liste ließe sich um unzählige weitere Beispiele fortsetzen. Aber so habe ich es persönlich in den sechs Jahren meines Mama-Daseins erlebt. Mal mehr, mal weniger. Mal direkt, mal subtil. Aber jedes Mal auf’s Neue verunsichernd oder verletzend.

Es sind diese Wertungen, die das Leben einer Frau und Mutter so kräfte-zehrend machen -neben dem „ganz normalen“ Alltagswahnsinn! Denn wir Frauen sind nicht zimperlich, wenn es um das Werten geht. Es fängt nämlich absolut schonungslos mit uns selber an und hört bei den Anderen leider nicht auf!

Kein Wunder, dass ich abends fix und fertig bereits um 22 Uhr ins Bett falle und trotzdem nicht schlafen kann. Weil mein Unterbewusstsein diese Dauer-Bewertungs-Belastung erstmal verdauen muss.

Deshalb träume ich mich gerne aus der Großstadt weg in ein Haus mit Garten im Grünen oder am Meer, wo wir uns in unserer kleinen wertungsfreien Welt, so entfalten, verhalten oder benehmen können, wie es uns gefällt. Natürlich ist es ein Traum, weil sich auf dem Lande die gleiche Mutter-und Frauenthematik auf anderen Ebenen oder in einem anderen Gewandt wiederholen wird. Außerdem bin ich überhaupt nicht der Typ Einsiedlerin. Dafür bin ich dann doch zu gesellig und kontaktfreudig. Also, wie das Dilemma lösen?!

Auf der einen Seite steht mein Bedürfnis nach Akzeptanz und Solidarität unter Frauen und Mütter. Auf der anderen Seite immer wieder Wertungen unter-schiedlichster Art und Güte von und unter Frauen, denen ich mich nicht aussetzen möchte. Da ich eine selbstverantwortliche, erwachsene Frau bin, hilft natürlich kein Wegträumen oder Wegrennen, wie meine Töchter es noch machen, wenn sie etwas stresst.

Mit gutem Beispiel voran?

Ich versuche jeden Tag auf's Neue, für meine Töchter meine Werte und Einstellungen authentisch vorzuleben und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Das könnte ich doch auch im Umgang mit anderen Müttern. Also nicht im Sinne von „schaut mal, wie perfekt meine Einstellung ist, macht es mir nach“. Sondern einfach selber aufhören, mich selber zu bewerten und mich statt-dessen mit Nachsicht zu betrachten - egal ob es die anderen gerade machen oder nicht. Aber hier fällt es mir häufig schwer, mir treu zu bleiben, zu meinen Werten zu stehen, meinem guten Bauchgefühl zu vertrauen und einfach ICH zu sein.

Warum eigentlich? Na, weil ich mich selber überkritisch bewerte! Ich kann ja mal bei mir anfangen mit dem Wohlwollen. Ich kann es probieren, üben, vorleben, im Körper ausbreiten lassen, immer wieder darüber mit Gleich-gesinnten reden und schreiben - in der Hoffnung, dass sich irgendwann der wertungsfreie Raum unter Frauen und Mütter ganz selbstverständlich vergrößern und ausbreiten wird. Denn wenn ich nachsichtig und wohlwollend mit mir selber umgehe, entsteht Entspannung und Gelassenheit, auch im alltäglichen Miteinander.

Denn das habe ich auch erlebt in meiner Zeit als Mutter. Natürlich hatte und habe ich auch nette Begegnungen mit authentischen Müttern. Da will ich ehrlich bleiben und nicht zu einseitig berichten. Jedoch nicht oft genug, um die schlechten Gefühle, die sich durch Bewertungen in mich geprägt haben, auszugleichen. Leider ist das menschliche Gehirn so gestrickt, dass es die negativen Erfahrungen länger abspeichert als die Positiven. Man sagt ja auch bei der Erziehung von Kindern "auf ein NEIN sollen fünf JA's folgen". Aber das ist ein anderes Thema.

Und zum Schluss?!

Nein, kein "Moral von der Geschicht!"-Ende. Ich überlasse es euch, wie ihr diesen Beitrag auffasst…euch wunderbaren Frauen und Müttern. Denn das seid ihr! Ihr müsst es nur selber wahrnehmen und glauben. Dann kommt auch die Entspanntheit...


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