Dankbarkeit fühlen...

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Als Frau unter erschwerten Voraussetzungen

Hhrrr,...so ein Scheiß! Ich hasse meine "Zustände"-wie ich die PMS-Zeit vor der Periode gerne benenne. Gerade ist es wieder so weit. Ich fühle mich wie nicht zu mir gehörig. Als wäre der Körper nicht mehr mein zu Hause. Alles fühlt sich belastend, schwer und falsch an. Ich hadere mit mir, meinen Mitmenschen und der ganzen Welt. Alles ist irgendwie doof! Und ich weiß so gar nichts, mit mir anzufangen. Diese innere Unruhe und Zerrissenheit lässt mich wie ein gefangenes Tier hin und her laufen. Tausend Ideen schwirren mir im Kopf und keine scheint attraktiv genug, um begonnen zu werden.

Ok, dann häkel ich mal an meinem Cape weiter...nach einer Reihe fehlt mir schon die Geduld. Na gut, dann suche ich nach Musik für die nächsten Unterrichte. Bäh, keine Lust, überhaupt ein Lied zu Ende zu hören. Ach, dann lese ich mal das neue Buch zur Tanztherapie und arbeite an meinen Konzepten -boah, was war gleich die Kernaussage der letzten Seite? Wie wäre es mit einem Spielchen mit den Mädels? Ach ne, die sind gerade so schön mit Papa beschäftigt, da will ich mich nicht einmischen...

Ich hadere weiter. Vor allem mit meinem Schicksal. Weil ich in der Mitte des Zyklus bin. Es sich also gar nicht um meine typischen PMS-Zustände handelt. Nein, gestern wurde mir ein Brustknoten von 3 cm Größe entfernt. Fibroadenom -sprich verkapselter Gewebeknoten, der zu 90% gutartig ist. Ich wollte ihn aber raus haben, weil er weh tat beim Schlafen, Spiel mit den Kindern und beim Sport. Ob der wirklich gutartig oder böse ist, werde ich in einer Woche erfahren. Oh mein Gott! So lange hin! Genügend Zeit, um mich total verrückt zu machen. Nun sitze ich hier vor dem PC nachdem ich alles Mögliche versucht habe, um wieder in meine Balance zu kommen und könnte heulen. Natürlich male ich mir das Schlimmste aus und was dann wäre. Dann beruhige ich mich wieder und denke positiv. Diese Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen macht mich fertig. Mir ist davon schon schwindelig und duselig im Kopf. Alles nervt. Das Ticken der Uhr, das Geschrei und Gelache der Kinder, mein Mann, der mich nicht hinreichend trösten und aufbauen kann, meine Brust die bei der kleinsten Bewegung schmerzt und ich selber auch mit meiner Unzufriedenheit.

Gerade gestern begann die Dankbarkeits-Challenge von Peter Beer. Für diese habe ich mich angemeldet, weil ich schon auf dem guten Weg bin, dankbar und nachsichtig mit mir und anderen umzugehen. Und das wollte ich noch vertiefen und verfestigen. Aber dieses Intermezzo mit dem Brustknoten hat mich wieder aus der Bahn geworfen. Ich bin gerade alles andere als dankbar! Gestern noch hat meine Große eines ihrer einfühlsamen und kreativen Bilder gemalt, wo sie meine und ihre Angst vor der OP verarbeitete. Ich war so gerührt und natürlich dankbar, dass ich eine so empathische und mitfühlende Tochter habe. Es war ein kurzer Moment des Innehaltens und Gewahrwerdens, wie gut ich es eigentlich habe. Dann kam der Krankenhaus-Aufenthalt und die OP. Und jetzt bin ich wieder viele, viele Schritte zurückgeworfen.

Ich hadere weiter. Warum trift es eigentlich immer mich? Und immer dann, wenn ich den Eindruck habe, das Leben meint es gerade gut mit mir und alles scheint harmonisch und perfekt? Ich will jetzt nicht groß aufrollen, was mir die letzten Jahre alles widerfahren ist. Nur soviel...

Vor 8 Jahren wurde ich aus meinem Job gemobbt, meine erste Geburt war ein Notfallkaiserschnitt wegen Schwangerschaftsvergiftung mit HELLP-Syndrom, meine zweite Schwangerschaft war von der Plazenta-Praevia überschattet und wurde mit einem zweiten Kaiserschnitt und einer 5stündigen OP aufgrund der eingewachsenen Plazenta gekrönt. Meine zwei Fehlgeburten zwischendurch fallen schon fast aus dem Gewicht...

Und gerade jetzt, wo wir vor Kurzem in ein eigenes Haus in einem idyllischen Örtchen am Rhein gezogen sind und meine Große sich so wunderbar in der Schule entwickelt (ach so,...der erste Schuleinstieg bei ihr in Köln verlief mehr als suboptimal), meine Kleine direkt einen Kitaplatz ohne Wartezeit bekam und mein Mann nur noch 15 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit braucht. Und ich mich hier richtig wohl fühle, glücklich und einfach im Reinen mit mir. Gerade jetzt muss mich das Schicksal wieder zurückwerfen. Ich hadere ganz gewaltig!!!

Ich wünsche mir, ein Mann zu sein!!!

Ja, diese Männer wissen gar nicht wie gut sie es in ihrer Haut und ihrem Körper haben. Alleine schon, weil sie nicht seit der Pubertät monatlich bluten. Mal mit, mal ohne Schmerzen. Ich glaube, dass mein Mann sich überhaupt nicht im entferntesten vorstellen kann, was es bedeutet, eine Frau mit stress-bedingten Hormonschwankungen zu sein. Die sich nicht nur innerlich wie eine Außerirdische fühlt. Sondern sich auch mit so äußeren Dingen wie Haarausfall, Akne, juckende Haut und Wassereinlagerungen plagen muss. Er kann es nicht nachempfinden, wie meine komplizierten Schwangerschaften und meine traumatischen Geburten mich verändert haben. Er weiß nichts von Stutenbissigkeit unter Müttern...oder auch unter Frauen im Berufsleben. Die einem nicht die Position gönnen, die man sich durch ein langes Studium hart erarbeitet hat. Auch kann er sich nicht vorstellen, wie kräftezehrend es ist, eine Mutter zu sein. Die ihre Erfüllung nicht im Haushalt und allein bei den Kindern findet. Sondern vor Ideen sprudelt, gerne freiberuflich und mit Menschen zusammenarbeitet...

Ich habe die letzten sieben Jahre meine persönliche, wie auch berufliche Freiheit und Entwicklung immer nach dem Alter und den Bedürfnissen meiner Kinder ausgerichtet. Gerne und freiwillig! Und meist ohne die nötige Aufmerksamkeit und Wertschätzung meines Umfeldes und ja, auch meines Mannes. Und vor Kurzem das: neulich musste ich mir von ihm anhören, dass dieses ständige Arbeiten im und am PC ja keine wirklich Arbeit ist und ich als Therapeutin ja mehr in die echten Kontakte investieren sollte...Puh, das hatte gesessen! Jahrelang habe ich mich mit dem Wenig an Wertschätzung zufrieden gegeben, die ich für meine Arbeit bekam. Aber jetzt auch noch mit Abwertung zurechtzukommen...das war eine emotionale Ohrfeige. Und das von meinem Mann...

EINEM MANN, der seit 7 Jahren regelmäßig morgens aus dem Haus zur Arbeit fährt, einen geregelten Arbeitstag mit Kontakt zu Kollegen hat und Abends nur noch die Kinder ins Bett bringen muss. Wie weit musste sich denn mein Mann anpassen in all den sieben Jahren? Ein wenig mit den Kinder hier und dort spielen, sie ins Bett bringen, mit mir mehr Streitthemen austragen. Seine Existenzbasis sowie seine gesellschaftliche Stellung und auch Wert-schätzung hat er nie aufgeben müssen -bzw. nur insgesamt 4 Monate während seiner Elternzeit. Vielleicht bin ich ungerecht. Aber gerade fühlt es sich genau so an! Und ich hadere schon wieder...

Dieses biologische Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau sowie die Ungleichbehandlung in der Gesellschaft geht mir gerade total auf den Zeiger! Da können manche Frauen gerne sagen, dass wir doch Kinder gebären können. Ich finde, es wiegt dieses Ungleichgewicht bei Weitem nicht auf. Ach ja, und Brustkrebs ist ein weiteres der "Frauenthemen", das mir zu schaffen macht. Sowie der Beginn der Menopause ...

Ich bin ja nicht "bibelgläubig"...aber manchmal fühlen sich die "Besonder-heiten" im Frausein wie eine Strafe an. Die wir ausbaden müssen, weil wir vom Baum der Erkenntnis gegessen haben.

Warum sonst, ist der Mann in so vielen Dingen einfach im Vorteil und von der Natur bevorzugt?


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