Holz vor die Hütt'n

Aktualisiert: 23. Okt 2019


„Nein! So würde ich mich definitiv nicht zu einem Wet-T-Shirt-Contest anmelden!“, denke ich bei mir während ich mich kritisch im Badezimmerspiegel betrachte. Aber um ehrlich zu sein; ich war mit meinen 80B-Körbchen auch früher kein Busenwunder. Irgendwie auch gut, dass ich mich nie über meine Brüste definiert habe. Sonst würde mir mein jetziger Oben-Ohne-Anblick doch etwas zu schaffen machen. Gut,…als Mama von zwei Mädels, die beide gestillt wurden, bin ich brusttechnisch einiges gewöhnt. Direkt nach dem Abstillen haben meine sonst so knackigen „Freundinnen“ ganz schön schlaff abgehangen. Der Vorteil von kleinen Brüsten ist jedoch, dass sie sich recht schnell regenerieren und nach einigen Monaten fast wie vor der Stillzeit aussehen.

Aber jetzt…das ist ein anderes Kaliber! Ich bin jetzt gezeichnet. Mit zwei schmalen und noch frisch roten Narben auf meiner linken Brust. Eine direkt im Randbereich der Brustwarze. Die Andere 2 cm entfernt mitten auf der Brust und auch etwas länger als die Erste. Wenn ich mich frontal im Spiegel anschaue, bemerke ich außer dieser beiden Narben nichts weiter Ungewöhnliches. Sobald ich mich aber nach vorne bücke und meine Brüste nach unten baumeln lasse, sehe ich sofort die eingedellte Stelle direkt neben der Brustwarze. Dort ist die Haut nicht mehr straff über die Brust gespannt, sondern wird in diese kleine Einbuchtung hinein gezogen. Da kann ich mir auch nichts mehr schön reden. Ade makellose Brust! Es war schön mit Dir!

Allerdings kann ich mit meinem veränderten Anblick sehr gut leben. Denn darum ging und geht es...mein LEBEN. Schockschwerenot ich hatte Brustkrebs! Der blöde Spielverderber, so nannte ich den 3 cm großen Tumor in meiner Brust, wurde mir mit einem ordentlichen Sicherheitsabstand ins gesunde Gewebe operativ entfernt. Ebenso drei Wächter-Lymphknoten, die sich glücklicherweise als unauffällig erwiesen, aus der Achselhöhle. Auch ansonsten wurden im CT des Rumpfes keine Metastasen entdeckt. Ich bin von daher wieder krebsfrei! Puh...Was leider nicht heißt, dass ich um die Chemo und Bestrahlung drum herum komme.

Schade!

Prophylaktisch wird auf eventuelle Kleinst-Tumorzellen hart geschossen, um so eine rezidivierende Erkrankung vorzubeugen.

Ach, und das mit dem Holz vor die Hütt'n: einziger, schwacher Trost für uns Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind, ist die kostenlose Rekonstruktion der Brüste. Also, falls ich doch noch eine Karriere als Busenwunder à la Pamela Andersson anstrebe, kann ich mir zwei „neue Brüste“ auf Kosten der Krankenkasse modellieren lassen.

Na dann, ...Jodelihütti...


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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

Leubsdorf am Rhein/

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