Frischer Winterwind klärt müden Kopf

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Eine weiche, flauschige Decke hat sich auf meinen beanspruchten Körper gelegt. Die Woche nach dem ersten Pink Martini Day ist überstanden und ich schmiege mich wohlig in die warme Kuscheldecke zu Hause ein. Draußen und drinnen herrscht jetzt Ruhe. Ich kann richtig genießen, gemütlich zu Hause bleiben zu dürfen und mit einer heißen Tasse Tee durch das Fenster die zauberhafte Winterlandschaft zu betrachten. Die Welt hat sich über Nacht verwandelt und alles ist hell, klar und rein. Der Winter kommt nicht mehr grau und schmutzig daher, sondern strahlend weiß und unschuldig. Ich liebe es, wenn der frostige Winterschlaf auch die Natur still und sanft zudeckt. Den Lärm und die Hektik unter sich einhüllt. Auch ich fühle ich mich heute das erste Mal so richtig fröhlich und gut gelaunt. Als hätte der Winter auch in mir kräftig durchgefegt und mich nun gereinigt und ausgeruht hinterlassen.

Ausruhen und Schlafen ist ohnehin seit sechs Tagen meine Lieblingsbeschäftigung geworden. Die Müdigkeit ist eigentlich permanent da. Nur ihre Intensität variiert sowie die Schnelligkeit mit der sie mich überkommt. Aber damit kann ich gut leben! Auch ansonsten wäre ich sehr glücklich, wenn die kommenden Therapiezyklen mit ähnlichen Nebenwirkungen aufwarten würden. Denn bis auf den Pink Martini Abend, der mich im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen hat, habe ich die anderen Tage eine stetige Verbesserung gespürt. Es ist nicht so einfach zu beschreiben, was mir genau am Chemo-Abend so zu schaffen gemacht hat. Die Nebenwirkungen meines Cocktails sind für mich und meinen Körper neu und damit meine Empfindungen dazu. Die zutreffendste medizinische Beschreibung wäre: Schwangerschaftsübelkeit ohne Erbrechen, Drehschwindel, Kreislaufprobleme, Migräne gepaart mit dem Gefühl am Oberkörper zu stark massiert worden zu sein und nun überall Muskelkater zu haben, Brennen in den Beinen und ein übermächtiges Schwächegefühl im gesamten Körper.

Man sollte meinen, dass ich daher besonders gut geschlafen hätte. Überhaupt nicht! Die ersten Nächte waren nervenzerreissend. Ich war körperlich so ausgelaugt, aber mein Verstand war hellwach. Die Gedanken kreisten wild umher und hielten mich vom Einschlafen ab. Daher schlief ich die ersten Tage nach der Chemo hauptsächlich über Tag -was das Schlafen in der Nacht nicht gerade erleichterte.

Umso erfreulicher, dass ich eine gut durch geschlafene Nacht hinter mir habe und heute ganz normal mit einem Frühstück unten im Esszimmer mit meiner Familie beginnen konnte. Es ist sehr hilfreich für meine Mädels, wenn sie sehen, dass wieder Normalität im Alltag einkehrt. Dann können sie sich auch gut in die Kita und Schule von mir verabschieden. -Was letzte Woche leider überhaupt nicht geklappt hatte. Sie wollten ihre Mama beschützen und bei ihr bleiben. Einfach herzergreifend und auch nicht einfach zu verarbeiten, wenn sie dann weinend und traurig in ihren Tag starteten. -

Auch sonst komme ich in den wahrhaften Genuss liebevoller und aufmerksamer Gesten von unterschiedlichsten Seiten. Das geht los mit dem Frühstück im Bett, immer wieder Tee Aufgießen und Hochbringen, für mich Kochen bis hin zu im Haus Aufräumen, Kinder Abholen, Bespaßen und Versorgen, mit mir langsam draußen Spazierengehen, mich zu unangenehmen Terminen Begleiten, Motivieren, Trösten und überhaupt einfach für mich Dasein. Ich bin wirklich dankbar, dass ich gut aufgefangen werde von Familie, Freunden, Bekannten und Nachbarschaft. Aber auch den Ärzten, Schwestern und Personen, die mich fachlich bisher begleitet haben, gebührt ein Riesen-Dankeschön! Sie haben meine Situation mit viel Einfühlungsvermögen, Kompetenz und Menschlichkeit begleitet und zeitweise sogar erhellt. Es hilft ungemein, wenn ich mich auf mein Genesen konzentrieren darf und meine Energie nicht in "Mich-Sorgen-Müssen" und Verzweifeln verliere.

In diesem Sinne genieße ich weiter die wunderbare Aussicht auf das Winterwunderland draußen und freue mich auf meinen Mann, der gleich mit dem Mittagessen vorbei kommt und seine Pause mit mir verbringt...


93 Ansichten

© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

Leubsdorf am Rhein/

Rheinland-Pfalz

am.winkler@icloud.com

  • Black Facebook Icon
  • Black Twitter Icon
  • Black Instagram Icon