Von Sitzbänken in Supermärkten, Afro-Klängen und der ganz großen Liebe...

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Schon lange möchte ich gerne über die Liebe zu mir selber schreiben, weil es ein zentrales Thema in meinem Leben war und in meiner jetzigen Situation noch eine viel prägnantere Rolle spielt. Außerdem kenne ich so viele Frauen, die in irgendeiner Form mit sich persönlich hadern. Das berühmt-berüchtigte „Frauending“! Ich kann gar nicht anders, als diesem Phänomen auf dem Grunde zu gehen. Bisher wusste ich nur noch nicht so recht, wie anfangen? Es ist ja so ein weites Feld- die Liebe.

Tja, wer hätte gedacht, dass ich genau einen Tag nach meinem letzten vor Motivation und Lebenslust strotzenden Blog "Das LamenTier- das verkneif ich mir!" dafür einen guten Aufhänger fand. Ich hatte mir darin alles so schön ausgemalt, ausgedacht, mich in die positiven Vibes hineingefühlt. Und was war?! Es klappte einfach nicht, bzw. das echte Leben kam dazwischen. Ich hatte die Rechnung nämlich ohne meinen Körper gemacht. Der wollte einfach nicht so recht mitziehen am nächsten Tag.

Ich war voller Tatendrang und fuhr in ein großes Einkaufszentrum, um mir lauter Leckereien zu gönnen. Soweit der Plan und von der Idee her auch der richtige Ansatz :“mir Gutes tun mit köstlichem Essen!“. Leider sackte mir beim Einkaufen mitten im Laden der Kreislauf weg und ich musste ganz schnell eine Sitzmöglichkeit finden.

-Hey, wieso gibt es keine Bänke im Laden drinnen? Wie machen das denn alte und kranke Menschen beim Einkaufen? Ist ja total das Ausschlußkriterium, um selber seine Besorgungen erledigen zu können! Aber anderes Thema...-

Gut, dass ich noch eine Treppe fand, auf der ich mich setzen und meine Beine hochlegen konnte. Ja, und das zweite Mal kippte ich an der Kasse beinahe weg und konnte mich nur unter größter Anstrengung an meinen Kreditkarten-Pin erinnern und unter fast übermenschlichen Kräften den Einkauf einpacken und mich dann zu der einzigen Bank in dem riesigen Einkaufszentrum hinter dem Kassenbereich schleppen.

3 Tage später bei meiner Tanztherapeutin begannen wir mit einem leichten Einschwingen auf afrikanischen Klängen. Total mein Ding! Ich ließ mich wie früher beim Tanz (natürlich in abgespeckter Version) etwas gehen, schwang locker mit meinem Kopf, Armen und Oberkörper. Tja, und da war er wieder. Der Schwindel! Und wer war leider wieder weg? Yep, mein Kreislauf! Also auf den Boden legen, Beine hoch lagern und in den Ruhemodus zurückkehren. Letztlich habe ich an dem Tag gar nicht mehr getanzt. Sondern mir ganz entspannt, meinen eigenen Rückzugs-, Ruhe- und Kraftort gestaltet. Ganz vertieft in mir selbst, meiner Bedürfnisse höchst bewusst, voller Liebe für meinen schwachen Körper und mein angegriffenes ICH.

Warum beschreibe ich diese Vorfälle so genau? Ist ja wohl nichts Ungewöhnliches, O während einer Chemo Müdigkeit, Schwäche, Schwindel zu erleben. Ja, das stimmt schon! Aber deren Unberechenbarkeit war mir noch nicht ganz klar. Ich kann meinen Körper so überhaupt nicht mehr einschätzen. Was kann ich mir noch zumuten und zutrauen? Meine bisherige Art und Weise mit Power, Lust und Lebenswillen meine Probleme anzugehen und zu meistern, versagt in dieser neuen und schwierigen Lebenssituation. Ich bin einfach nicht mehr wie bisher! Und damit meine ich meinen Körper, meine Gefühle und meinen Geist. Da kann ich mir noch so schöne Dinge vornehmen und ausmalen, wie ich mich nicht mehr von meinen Ängsten ausbremsen lasse. Der Körper gibt mir einen anderen Takt vor! Und damit bin ich wieder da, wo ich gestartet hatte und wovon ich mich doch weg entwickeln möchte. Bei meinen Ängsten!

Klar macht es Angst, wenn wir unseren Körper nicht mehr kontrollieren und einschätzen können. Ich bin nicht mehr „Frau meiner selbst“ und muss noch mehr Gänge zurückschalten als erwartet. Verdammt! Wieso fällt mir das so schwer? Und nochmals verdammt! Ich wollte doch nicht mehr Lamentieren!

Ja, und hier sind wir beim Thema. Mag ja sein, dass ich vom Kopf her verstanden habe, wie ängstlich und gebremst ich all die Jahre gelebt habe. Aber mit einer neuen „Kampfansage“ und dem Vorhaben, es jetzt anders zu machen, lässt sich nichts verändern. Denn der tieferliegende Grund für meine Ängste, liegt in dem Thema Liebe und vor allem Selbstliebe, -vertrauen und -akzeptanz.

Ein hartes Kopf-Kommando wird diesen Gefühlen sowie meinem Körper überhaupt nicht gerecht. Der einzige Weg und die einzige Lösung ist die Liebe. Die Liebe zum Leben, zu mir und zu allem um mich herum. Und das ist ein ganz schön schwieriges Unterfangen. Denn ich muss dafür beginnen, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Nicht halbherzig, manchmal, wenn ich gut drauf bin oder Lust dazu habe. Ne, so richtig, richtig! Mit all meinen Ängsten, Unzulänglichkeiten, körperlichen Einschränkungen, Launen und Gefühlen. Es ist dabei überhaupt nicht hilfreich, wenn ich mit mir selber schimpfe, kritisch umgehe oder ungeduldig werde.

Das LamenTier ist über die Jahre ein wichtiger Bestandteil meiner selbst geworden und hatte in seinen Anfängen auch einen guten Nutzen. Dafür bin ich ihm dankbar. Und wenn ich von nun an ohne es auskommen möchte, geht das nur durch liebevolle Akzeptanz. Irgendwann wird mein LamenTier dann auch begreifen, dass ich nun ohne es weiterleben kann. Das braucht Zeit, liebevolle Nachsicht, Verständnis und Achtsamkeit. So kann ich zu meinem puren ICH gelangen und ein möglichst (angst-) freies, unbeschwertes und erfülltes Leben führen.

Meditation: Veit Lindau "Im Meer der Liebe"


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