Der Sinn meines Lebens? Liebe!

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Meine lebenslange Suche nach dem fehlenden Puzzleteil!

Solange ich denken kann, bin ich auf der Suche. Eine Getriebene durch Raum und Zeit. Immer neugierig, wachsam, rastlos, skeptisch hinterfragend, unzufrieden mit platten Erklärungen, kompliziert denkend und zutiefst sensibel. Immer schon hatte ich das Gefühl, etwas sehr Wertvolles verloren zu haben, das mir nun bitterlich fehlt. Selbst aus Träumen wache ich schreiend auf, weil ich Angst habe zu ersticken, falls ich das heilbringende Medikament nicht finde. Die Träume variierten inhaltlich über die Jahre ebenso wie die reale Suche nach dem fehlenden Teil in meinem Lebenspuzzle. Verändert hat sich an dem Motiv allerdings nichts. Das weiß ich jetzt -quasi rückblickend.

Früher war meine Suche sowie die daraus abgeleiteten Ziele ziemlich konkret. Das konnte die Wahl eines Hobbys sein, Auslandsaufenthalte, Schließung von Freundschaften, Umzüge, Urlaubsorte, Partnersuche und -wechsel, Wahl meines Studiums und Berufes, Wohnungseinrichtung, Gründung einer Familie, Kauf eines Hauses... Es gab eigentlich nie eine Zeit des Leerlaufes in meinem Leben. Kaum war ein Ziel erreicht, schwebte mir schon das Nächste vor Augen. Und so raste ich von Etappe zu Etappe. Ständig mit dem unbewusstem Bedürfnis, eine aufgerissene Lücke in mir zu füllen.

Diese war leider nicht so konkret zu fassen, wie meine anvisierten Lebensstationen. Sie war und ist einfach da! Wann sie genau entstand, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Aber ich weiß, dass sie nicht von Anbeginn in mir existierte. Ich trage nämlich die tiefe Überzeugung in mir, dass ich als Kind bereits vollkommen, quasi lückenlos, war. Und nach diesem vollkommenen Zustand sehne ich mich zurück.

Somit ist die beschriebene Lücke mein bester Antreiber und gleichzeitig auch mein schlimmster Ausbremser. Denn so lange ich die Lücke nicht füllen kann, fühle ich mich nicht richtig und ausreichend; genüge ich meiner inneren Vorstellung meiner selbst nicht. Ein Teufelskreis! Wie soll ich da meinen Frieden mit mir selber schließen? Innerlich zur Ruhe und Balance gelangen? Einfach nur sein?

Ich trage quasi Heil und Krankheit gleichzeitig in mir. Über die Jahre hat sich die Krankheit leider ausgebreitet und mit der Diagnose Krebs nun letztendlich manifestiert. Natürlich liegt da der Gedanke nahe, mit dem Auffinden des fehlenden Puzzleteils auch wieder der Heilung in meinem Körper den notwendigen Raum zu geben. Diese meine Logik scheint so einfach und birgt doch wieder die Gefahr, mich unter Druck zu setzen und im Prinzip mit der rastlosen Suche fortzufahren. Bis ich irgendwann am Ziel meiner Wünsche oder am Ende meiner Kräfte bin?!

Zum Glück habe ich auf meinem bisherigen Weg auch dazugelernt. Z.B. mehr in meinen wunderbaren Körper zu vertrauen. Über die Tanztherapie habe ich einen besseren Zugang zu meinen Gefühlen und meiner Seele gefunden. Mittlerweile weiß ich, dass mein scharfer Verstand mir oft ein schlechter Ratgeber war und ist. Zwar scheint vieles auf dem ersten Blick oft logisch und schlüssig. Aber es entspricht nicht dem, was in mir auf emotionaler Ebene und in meiner Seele vor sich geht. Vieles ist sogar ein Trugschluss, eine falsche Überzeugung, ein fehlerhafter Glaubenssatz. Der sich über die Jahre so stark in mein Bewusstsein gebrannt hat, dass ich gar nicht anders kann, als an dessen Richtigkeit zu glauben.

Mithilfe von Psycho-, Tanztherapie und Coaching habe ich über die Jahre einige Glaubenssätze unter schmerzhafter Einsicht enttarnt. Deren Wurzeln reichen bis in die Kindheit hinein. Und natürlich haben meine ersten Bezugspersonen damit etwas zu tun. So banal das auch klingen mag! Was ich früher nur als laue Rundumerklärung der Psychotherapie belächelt habe, ist für mich Erkenntnis und zugleich Empfindung geworden. Ohne irgendjemanden Schuld zusprechen zu wollen, wurde ich von einem vollkommenen Gotteswesen zu einem funktionierenden, gesellschaftsfähigen aber kränkelnden Erwachsenen gebogen, gebrochen und erzogen.

Macht mich das wütend? Früher vielleicht schon! Als ich noch in meinen alten Mustern und Überzeugungen steckte. Jetzt nachdem ich meinen tiefsten und hartnäckigsten Glaubenssatz enttarnt habe, bleibt nur noch Raum für die berührende und allumfassende Erkenntnis: ich wurde geliebt! Und werde es immernoch!

Ich wurde sogar sehr geliebt von Mutter, Vater, Großeltern, Onkel...Meine ersten Bezugs- und Bindungspersonen haben ihr Bestes gegeben, um mich diese Liebe fühlen zu lassen und mich in meinem Sein zu unterstützen. Doch ihre Charaktere, Wesenszüge, eigene Erziehung und schmerzhaften Erfahrungen sowie die Regeln der Gesellschaft und Politik haben auch ihnen Grenzen gewiesen. Sie an vielen Stellen scheitern und Fehler machen lassen. Doch ich bin nicht mehr böse. In mir ist ein tief empfundenes Mitgefühl und Verständnis für sie gewachsen. Eine Liebe, die schon zu lange hinter meinen unzutreffenden Glaubenssätzen gefangen gehalten wurde. Vergessen kann ich die ausschlaggebenden Schlüsselerlebnisse nicht. Allerdings kann ich ihnen eine andere Bedeutung oder Interpretation beimessen.

Als Mutter zweier Mädchen habe ich umgekehrt erlebt, wie scheinbar unwichtige Situationen und Erlebnisse tiefe Eindrücke bei den Kinder hinterlassen. Sie versuchen, diese mit ihren zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu verstehen und manchmal verzerren sie sich dadurch. So können aus vermeintlichen Lappalien lebenslange, fehlerhafte Glaubenssätze entstehen. Und das, obwohl auch ich mein Bestes gebe und selbst reflektiert bin. Jeden Tag!

Abschließend bleibt die Frage, ob ich mein fehlendes Puzzleteil jetzt endlich gefunden habe? Ich kann es (noch) nicht beantworten. Zumindest fühlt es sich sehr richtig und erfüllend an. Ich habe das erste Mal den Eindruck, dass ich langsam wieder heil und ganz werde. Ich stehe zwar am Anfang dieser wundervollen "Rück-Entwicklung", aber ich fühle diesmal etwas in mir wachsen, was mir sehr vertraut vorkommt. Ich fühle, dass ich mich auf dem Heimweg befinde. Heim zu meinem heilen und ganzen ICH. Heim zu der Quelle und dem Sinn allen Seins: Licht und Liebe!

„Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind. Weil der Einzelne das nur unvollkommen vermag, hat man in den Religionen und Philosophien versucht, die Frage tröstend zu beantworten. Diese Antworten laufen alle auf das Gleiche hinaus: den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben.“ (Hermann Hesse, Schriftsteller, 1877-1962)


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