Unterwegs auf dem Weg der Besserung

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Ich habe Zeit! Für mich! Dank prophylaktischer Chemotherapie samt Nebenwirkungen kann ich mich mit Dingen beschäftigen, denen ich sonst keine Beachtung geschenkt hätte. Denn jede Erkrankung oder Krankheit reißt uns aus unserem Alltag heraus. Von jetzt auf gleich gelten nicht mehr die üblichen Regeln, Strukturen und Muster. Wir fokussieren uns bewusst auf unsere Genesung. Wir haben plötzlich Zeit für unseren Körper und unsere Bedürfnisse. Wir hören genauer hin und versuchen heraus zu finden, was uns gut tut, stärkt und heilt. Auch die Aufmerksamkeit im Umfeld ändert sich. Wir werden mit unseren Bedürfnissen gesehen, respektiert, gehegt und gepflegt. So unangenehm die Krankheit an sich ist. Sie bringt außer ihrer Schattenseiten auch Vorteile mit sich. Den sogenannten „Mehrgewinn durch Krankheit“.

Heute möchte ich nicht über dieses Phänomen schreiben oder über die Tatsache, dass es Menschen gibt, die genau aus diesem Grund krank bleiben wollen. Auch nicht darüber, warum es in unserer Gesellschaft häufig der Notbremse Krankheit bedarf, damit wir selber und die anderen Menschen mit uns nachsichtiger, verständnis- und liebevoller umgehen.

Mir geht es um meinen inneren Weg, meine persönliche Entwicklung, die ich in den letzten Jahrzehnten gemacht habe. Und die leider immer wieder durch Leid und/oder Krankheit angestoßen werden musste. Mein Leid war Antrieb, um mich daraus befreien und weiter entwickeln zu können. Mein inneres Schuldmonster erlaubte sich Zeiten der Selbstliebe erst, wenn genug gelitten und Buße getan wurde. Mein Leid war sozusagen meine Rechtfertigung und Entschuldigung für Liebe, Glück und Freude. Nach dem Motto „Jetzt habe ich es aber verdient, glücklich zu sein!“ Ein wirklicher selbst zerstörerischer Glaubenssatz!

Ich habe schon häufiger geschrieben, dass ich die Ahnung in mir trage, dass ich einst vollkommen, rein und hell war. Meine Sehnsucht nach diesem Urzustand half mir jedem Leid und jeder Erkrankung eine Sinnhaftigkeit zu geben. Nämlich den Aufschrei meines Körper und meiner Seele, etwas in meinem Leben zu verändern, um wieder in meine ursprüngliche Vollkommenheit zu gelangen.

Ich kann es nicht mehr nachvollziehen, wann sich meine Seele und meine Gefühle von meinem Körper abgespalten haben. Ich denke, dass es während meiner Teenagerzeit begann, als ich in meiner Schule täglich von meinen Klassenkameraden gemobbt wurde. Ich hätte diese schrecklichen Jahre von der 8'ten Klasse bis zum Abitur nicht unversehrt überstanden, wenn ich Verletzung und Schmerz meiner Seele an mich heran gelassen hätte. Anfangs weinte ich noch viel und ließ meine Trauer, Hilflosigkeit und Enttäuschung zu. Aber irgendwann kostete meine „Schwachheit“ einfach zu viel Kraft -paradoxer Weise! Ich wurde immer besser in der Schule, weil ich in guter Leistung meinen Trost und meine Rettung fand. Perfektionismus, Leistung und Disziplin wurden immer mehr meine Verbündete im Kampf gegen Ausgrenzung, Erniedrigung und Scham. Es muss zu jener Zeit gewesen sein, dass sich meine Seele immer mehr verkroch und meine Gefühle sich immer weiter von mir abspalteten. Meine Ratio hatte die Oberhand gewonnen!

Dieses Abspaltungsphänomen geschah nicht schlagartig. Es war ein langsamer Prozess seit Kindheit an. Mit jeder schmerzhaften Erfahrung kam eine neue Bewältigungsstrategie hinzu. Diejenige, die ich im Teenageralter für mich fand, sollte zur Stärksten werden, die sich am längsten bewährte. Bis sie zu übermächtig, krankhaft und schädlich für mich wurde.

Diese Erfahrung machte ich zum ersten Mal während meines Jura-Studiums in der Examenszeit als ich in eine starke Depression verfiel. Damals half mir die Psychotherapie auf Kurs zu bleiben und mein Studium zu beenden. Obwohl die Therapie sehr hilfreich war, sprach sie wieder nur meinen Verstand an, der ohnehin schon viel zu viel Einfluss auf mein Leben und meine Entscheidungen gewonnen hatte. Es war spannend, den Ursachen meines Leides auf den Grund zu gehen. Aber Wissen und Verstehen alleine heilt nicht vollständig.

Das sollte ich gut 5 Jahre später in meinem ersten Job erfahren. Hier kam es erneut zu Mobbing und bei mir zu einem Burn-Out. Ich bekam das erste Mal Antidepressiva verschrieben, um überhaupt noch funktionieren zu können. In dieser Zeit traf ich intuitiv meine bisher weitreichendste Entscheidung. Ich löste mich von meinem bisherigen beruflichen Lebenslauf und begann parallel zwei Ausbildungen, die absolut körperorientiert waren: Tanzpädagogik und Tanztherapie.

Es folgten Jahre der „gefühlten“ Selbstfindung, Selbstliebe und Transformation. Viele Glaubenssätze erspürte ich zum ersten Mal in der Tanztherapie. Diese konnte ich teilweise löschen oder verändern. Mein Körper wurde zu meinem besten Freund und meine Seele dankte es mir, indem sie sich immer häufiger zeigte. Ich begann wieder mehr auf meine Gefühle und meine Intuition zu hören und danach zu leben.

Das war Anfangs nicht so einfach. Denn meine erste Aufgabe bestand darin, mich selber mehr zu achten und zu lieben. Menschen Grenzen zu setzen, die mir nicht gut taten. Dieses Grenzenaufzeigen geschah immer etwas rebellisch und trotzig, weil ich die feinen Nuancen noch nicht kannte. Da wurde schnell aus der lieben Andrea ein kleines, bockiges Zicklein. So sah es von außen aus, weil die Explosion zu den ungünstigsten Momenten kam. Hätte ich schon frühzeitig die Reißleine gezogen, hätten meine Mitmenschen nicht so überrumpelt reagiert. Dieser Prozess der Selbstliebe dauert heute weiter an. Allerdings hat er schon eine andere Ebene erreicht. Die Liebe, die ich mir, meinem Körper, meinen Gefühlen und meiner Seele gebe, wird zunehmend selbstverständlicher und kommt natürlicher.

Jetzt spinkst sogar eine weitere Form der Liebe hinter einer ganz versteckten Ecke hervor. Die „kosmische“, ursprüngliche Liebe, die in ihrer Vollkommenheit und ihrem Urzustand in jedem Menschen von Anbeginn des Lebens vorhanden ist. Es ist eine Ahnung, dass dieser Zustand weit über meine bisher praktizierte (Selbst-) Liebe hinausgeht, da er allumfassend und ewig ist. Noch bin ich zu sehr mit meinem Verstand verbunden, um mich auf dieser höheren Ebene wiederzufinden. Allerdings gibt es manchmal kleine Eingebungen, Mini-Visionen, die mir den Weg weisen und mir klar machen, dass da noch viel mehr kommen kann. Wenn ich es zulasse...Es ist sehr spannend und aufregend, mich für diese Art der Spiritualität zu öffnen.

Somit hat mich mein innerer Weg in der Vergangenheit in starke Verstandsphasen, über die Ebenen des Körpers und der Seele zu dem reinen Geist hingeführt. Zu der Ahnung meines vollkommenen ICHs. Ich bin so glücklich, dass ich alle nötigen Erfahrungen machen und jedes Mal dabei Neues lernen durfte und darf. Und mit jedem Sprung auf den nächst höheren Zustand erschien auf einmal alles, was ich bisher erlebt habe, egal ob freudig oder schmerzhaft, sinnvoll, klar und selbstverständlich.

Ich bin einen weiten Weg bis hierher gegangen und ich möchte meinen Weg noch lange fortsetzen dürfen. Das ist mein Wunsch an das Universum!


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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

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