Tipps und Praktisches - Von der ersten OP bis zur Rehazeit und Nachsorge

Aktualisiert: 23. Okt 2019


In diesem Blog habe ich meine wichtigsten und hilfreichsten Erfahrungen für Euch zusammen getragen. Es geht dabei chronologisch mit dem Krankenhausaufenthalt los und endet mit Reha und Nachsorge. Die gesammelten Daten sind autobiographisch, dienen Euch als Orientierung und hegen keinen Anspruch auf Vollständigkeit/Richtigkeit. Sucht bei Unklarheiten, Sorgen und Ängsten immer Eure behandelnden Ärzte auf. Gerne könnt Ihr mir Anregungen und Kommentare hierzu schreiben, damit ich den Beitrag aktuell und interessant halten kann.

1. Im Krankenhaus:

  • Am Anfang stehen eine Menge Untersuchungen an und Ihr werdet hin und her geschickt. Das kann einen ganzen Tag dauern. Daher packt euch sicherheitshalber kleine Snacks und Getränke ein. Nehmt auf alle Fälle eine vertraute Person mit, die Euch moralisch und praktisch unterstützt. Meine schlimmste Zeit war eben diese Anfangszeit, wo noch niemand wusste, wie schlimm es genau ist. Ihr werdet mit vielen Ängsten zu kämpfen haben. Da braucht Ihr eine liebevolle, geduldige und motivierende Person an Eurer Seite.

  • Erkundigt Euch bei der Anmeldung im Krankenhaus direkt, ob es Einzel- oder Zwei-Bett-Zimmer gibt. Es lohnt sich die Investition in ein ruhigeres Zimmer. Eure Seele und Euer Körper werden es Euch danken, nicht mit dementen, lauten, gesprächigen, extrem kranken oder nervenden Nachbarn in dieser schweren Zeit ein Zimmer teilen zu müssen. Ihr habt genug mit Euch selber zu tun. Bleibt bei und für euch und nutzt den Krankenhausaufenthalt, um Euch mit der neuen Situation nach der Krebsdiagnose auseinander zu setzen.

  • Falls Ihr an der Brust und den Lymphen operiert werdet, nehmt Euch ein kleines Kissen mit, um den schmerzenden Arm damit zu stützen. Ich hatte eine sehr liebe Schwester, die mir dieses Herzkissen schenkte, das von einer gemeinnützigen Frauenselbsthilfegruppe selber genäht und gespendet wurde.

  • Jedes Krankenhaus hat Seelsorger oder Psychoonkologen. Mir hat die Psyochoonkologin vor Ort sehr geholfen, meine Panikattacken mit Achtsamkeitsübungen in den Griff zu bekommen und die nächsten Schritte mental vorzubereiten.

  • Ihr werdet in die Krankenhaus-Abläufe durch "Botengänge" integriert. Nutzt das Hin- und Herbringen der eigenen Akten und Papiere, um Euch bei jedem Ansprechpartner immer wieder schlau zu machen. Es hilft ungemein, die Verwaltungsschritte und die zuständigen Personen zu kennen. Manchmal weiß A nicht, was B getan hat und ihr seid auf Euch alleine gestellt. Bleibt dabei mündig und informiert, dann könnt Ihr manche Dinge beschleunigen oder an der richtigen Stelle reklamieren. Ich hatte beispielsweise bei einer Schwester erbeten, während der extrem langen Wartezeit auf die OP, in ein Café zu gehen. Im Zeitalter von Handys ist man ja auch schnell wieder zurück. Auch habe ich mir den Oberarzt der Chirurgie vom Aussehen gemerkt und bin dann tatkräftig zu ihm gegangen, als sich nach einer Röntgenaufnahme meines Portes keiner verantwortlich fühlte, diese auszuwerten und mich endlich zu entlassen.

  • Lasst Euch nicht einschüchtern! Stellt Fragen, Fragen, Fragen und wenn etwas nicht klar ist, lieber nochmals überwinden und freundlich nachhaken. Es geht um Euch und Euer Leben. Da dürft Ihr nicht schüchtern oder phlegmatisch sein. Ihr habt das Recht auf eine ordentliche Aufklärung und vernünftige Behandlung. Außerdem hilft Wissen gegen Angst. Wenn man genau weiß, woran man ist, findet man leichtere Wege damit umzugehen! Ich habe z.B. einer Schwester ganz klar die Grenzen gezeigt, als sie mich in ein Drei-Bett-Zimmer mit dementen Patientinnen im OP-Kittel für Stunden im Bett still legen wollte. Ich habe mich geweigert und vor der Türe in der Lese-Ecke gewartet. Tatsächlich ist nämlich noch genügend Zeit, sich in Ruhe umzuziehen, die Happy-Beruhigungs-Pille einzunehmen und sich dann brav ins Bett zu legen -auch wenn die Schwester gerne etwas anderes behaupten, um Euch aus den Füßen zu haben.

  • Achtet bei der Entlassung darauf, dass Ihr alle Berichte, Diagnosen und Bilder sowie einen Entlassungsschreiben erhaltet. Diese Unterlagen werden Euch künftig bei jedem neuen Arztbesuch begleiten und sollten in einem Ordner zusammen gehalten werden.

2. Während der Chemotherapie:

  • Wenn Ihr die Möglichkeit und Zeit habt, sucht Euch eine ambulante Onkologie-Praxis aus, die Ihr vorher besucht. Ihr werdet einige Zeit dort verbringen. Deshalb sollten die Räumlichkeiten behaglich, das Personal freundlich und die Ausstattung modern sein. Meine Praxis befand sich im Linzer Krankenhaus. Dort gab es einen atemberaubenden Blick auf das Rheintal, die Zimmer waren freundlich und mit jeweils zwei elektrischen Relaxsesseln bestückt, sie boten noch zwei normale Sessel und ein Tischchen für die Besucher an. Außerdem waren da die weltbesten und liebsten Schwestern tätig.

  • Heutzutage gibt es viele Medikamente, die neben der Chemotherapie genommen werden müssen, um die schlimmsten Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit, Erbrechen, etc. zu unterdrücken. Ihr werdet hierfür eine komplizierte Tablettenliste erhalten, um vor und nach der Chemo-Behandlung Eure Medikation einzunehmen. Lasst nicht ohne Rücksprache eine Dosis ausfallen! Es könnte euch sonst hundeelend gehen. Ich war nach den jeweiligen Chemo-Zyklen so benommen und fertig, dass ich einmal zu viele Medikamente einnahm. Was mir zwar weniger Nebenwirkungen bescherte, meinen Körper aber härter belastete. Daher habe ich mir eine wöchentliche Pillen-Dose besorgt und diese vor jedem Zyklus befüllt. So musste ich während der "schlimmen Chemo-Zeiten" nicht mehr nachlesen, -denken und -zählen.

  • Mein Onkologe hat mir hochdosiertes Selen als Komplementärmedizin empfohlen. Ich bin überzeugt, dass mir deswegen Nebenwirkungen, wie z.B. entzündete Mund- und Magenschleimhäute, schwere Infekte sowie Neuropathien an Hand und Füßen erspart geblieben sind.

  • Wenn Ihr einen frisch gelegten Port habt, könnte das Einstechen mit der Portnadel durch die Haut am Anfang evtl. wehtun. Ich habe mir eine betäubende Salbe geholt und die betroffene Stelle eine Stunde vor der Chemo damit eingecremt. Danach spürt man so gut wie nix! Kann ich nur empfehlen! Emla - Lokalanästhetikum

  • Lasst Euch zu den ersten Chemos begleiten. Die ersten Male sind noch aufregend und es hilft, jemanden dabei zu haben, der einem die Zeit vertreibt. Eine Chemobehandlung kann nämlich bis zu 5 Stunden dauern. Ansonsten sollten Lesematerial oder Hörspiele mit in die Onko-Tasche.

  • Ich habe mir immer ein umfangreiches Picknick mitgenommen. Meine Onkologie-Schwester amüsierte sich jedesmal darüber. Kaum hing ich an der Infusion, begann ich mit dem "Mampfen". Tja, was sollte ich machen? Cortison macht hungrig und Kauen hilft gegen Aufregung und Übelkeit -bildete ich mir zumindest ein;o)

  • Wenn Ihr niemanden habt, der Euch regelmäßig begleiten oder fahren kann, lasst Euch eine Kostenübernahme der Krankenkasse für die Taxibeförderung vom Onkologen ausstellen. Dieses schickt Ihr im Original zu Eurer Kasse. Danach erhaltet Ihr ein Übernahme-Schreiben, das Ihr dem Taxisunternehmen Eures Vertrauens aushändigt. Nun könnte Ihr jedes Mal, wenn Ihr gefahren werdet, die Beförderung auf einer selbst geschriebenen Liste (oder hinten auf dem Rezept) quittieren. Das Taxiunternehmen holt sich das Geld dann selber von der Kasse zurück.

  • Mir ging es während der Chemotherapie so mies, dass ich mir Hilfe ins Haus holen musste. Meine Mutter betreute die Kids und eine Haushaltshilfe übernahm in regelmäßigen Abständen das Putzen und Bügeln. Fragt bei Eurer Krankenkasse nach einem Antrag auf Haushaltshilfe und lasst Euren Onkologen dieses Formular ausfüllen. Ihr müsst dann für die Haushaltshilfe nur einen Eigenanteil von 10% tragen und Eure Verwandten erhalten die Fahrtkosten erstattet.

  • Nach dem ersten Chemo-Zyklus werden Euch irgendwann die Haare ausfallen. Es ist daher ratsam, Euch schon frühzeitig um eine Perücke oder andere Kopfbedeckungen zu kümmern.

Ich habe hinten bei meinen Links einige Anbieter für Mützen, Turbane und Haarteile gelistet. Ihr habt bei Eurer Krankenkasse pro Jahr Anspruch auf eine Perücke. Meine Kasse zahlte 300 Euro dazu. Das unterscheidet sich je nach Kasse. Wichtig ist, dass Eurer Onkologe auch hierfür ein Rezept ausstellt.

  • Eine gute Onkologie-Praxis wird Euch sieben Tage nach jedem Chemo-Zyklus einberufen, um die aktuellen Blutwerte zu kontrollieren. Mit Eurem Onkologen bleibt danach Zeit, um Nebenwirkungen, Sorgen und Ängste zu besprechen. Auch solltet Ihr vor jeder Chemo-Gabe darauf bestehen, die Blutwerte testen zu lassen -wird eigentlich automatisch gemacht. Nur wenn diese stimmen, sollte die Chemo durchgeführt werden. Fragt lieber ein Mal mehr nach, als dass es Euch im Nachgang schlecht geht.

  • Spielt nicht die Tapferen, wenn es Euch nicht gut geht! Ruft bei der Onkologie an und erklärt Eure Beschwerden. Wie soll der behandelnde Onkologe sonst wissen, wie Ihr die Chemo vertragt? Manchmal reicht ein beruhigendes Wort, um Euch seelisch wieder zu stabilisieren. Und diese stabile Grundhaltung braucht Ihr dringend für die kommenden Monate. Mir ging es drei Mal richtig schlecht und ich musste aufgrund niedriger Blutwerte tatsächlich aussetzen. Schenkt Eurem Körper daher Gehör und Vertrauen und tauscht Euch mit den Schwestern und Ärzten darüber aus. Wenn Ihr Euch selber ernst nehmt, werden es die anderen auch tun!

3. Bei der Bestrahlung:

  • Sucht Euch gegen Ende der Chemo eine Bestrahlungspraxis aus und vereinbart dort einen Beratungstermin. Ihr habt hierbei die Möglichkeit die Ausstattung vor Ort sowie die Ärzte und Assistenten kennenzulernen. Ihr solltet Euch ohne Zweifel oder Bauchweh für die Praxis entscheiden. Schließlich müsst Ihr für ca. 2 Monate täglich dort aufschlagen und Euch wohl fühlen können.

  • Ich sollte nach der Chemo erstmal 3 Wochen pausieren, um den Körper zu stabilisieren. Nutzt diese Zeit wirklich als Erholungs- und nicht "Erledigungszeit"! Vielleicht klappt ein Kurzurlaub oder eine anderweitige Auszeit. Ihr habt es verdient, Euch etwas Gutes zu gönnen und Euch für die harte Chemo-Etappe zu belohnen.

  • In einer guten Praxis wird man versuchen, Euch Termine mit Eurer Wunschzeit anzubieten. Ich hatte aufgrund der Kids den Vormittag gewählt und prompt die frühen Morgen erhalten. Mit der Anfahrt von ca. 30 Minuten musste ich jeden Tag verdammt früh aufstehen. Das war nach der ruhigen Chemozeit wirklich hart! Hinzu kam mein niedriger Blutdruck, der mir einige Kreislauf-Kollapse nach dem ruhigen Liegen während der Bestrahlung verursachte. Ich kann Euch daher nur empfehlen, gut zu überlegen, wann Ihr die Bestrahlung wirklich stressfrei durchführen könnt und die Termine danach ausrichten.

  • Beim ersten Termin wird ein Planungs-CT von der zu bestrahlenden Region gemacht. Dieses ist kein fein durchgeführtes CT, wo man evtl. kleine Resttumore erkennen könnte; sondern ein "Grobes", das Eure Organpositionen, wie z.B. Herz und Lunge, darstellt. Darauf aufbauend kann der Radiologe bestimmen, wie und wo die Strahlen des Bestrahlungsgerätes einfallen dürfen, um diese Organe nicht zu belasten.

Auch werden bei diesem Termin die ersten Markierungen aufgemalt. Diese dienen den Assistenten zum Ausrichten Eures Körper auf der Liege. Ich rate Euch, hier eine wirklich gute Position zu finden, die Ihr einige Minuten still aushalten könnt. Diese Position werdet Ihr die kommenden Monate nämlich immer wieder in gleicher Weise einnehmen und durchhalten müssen. Lasst Euch dabei Zeit und probiert ein bisschen aus. Es lohnt sich!

  • Beim zweiten Termin werden die Markierungen, die der Radiologe für Euch errechnet hat, auch auf Eure Brust aufgemalt. Anhand dieser wird das Bestrahlungsgerät genau auf die zu bestrahlende Region ausgerichtet.

Bei mir gab es erstmal die große Bestrahlung der gesamten Brust und Achsel sowie den kleineren Boost auf die Region, wo sich der Tumor befand. Dafür wird auf das Bestrahlunggerät ein Aufsatz gesteckt, der ganz nah an die Brust heran kommt. Es folgt an diesem Tag Eure erste Bestrahlung. Ich hielt die Augen währenddessen geschlossen und visualisierte mich an einen wunderschönen weiß-sandigen Strand, wo ich oben ohne ein Sonnenbad nahm. Ich stellte mir die heilenden Sonnenstrahlen auf meiner Brust vor und träumte mich gesund. Die seltsamen Geräusche des Gerätes überlagerte ich mit der sanften Meeresbrandung. Das absolut schmerzlose Prozedere dauerte grad mal 5 Minuten und schon war ich fertig.

  • Auch während der Bestrahlungszeit könnt Ihr Euch ein Rezept für die Taxisbeförderung und Haushaltshilfe ausstellen lassen (siehe oben).

Ich bin allerdings lieber von meinen Lieben gefahren worden, bzw. größtenteils alleine gefahren. Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Small-Talk mit den Taxisfahrern und genoss die Ruhe im eigenen Auto. Wenn Ihr das auch so handhabt, müsst Ihr Euch hinreichend Zeit nach der Bestrahlung einplanen, um Euch für die Fahrt zu stabilisieren. Mein Ritual war eine schöne Tasse Kaffee und ein leckeres Brötchen in meinem Lieblings-Café bevor es wieder Heim ging. Wenn es mir ganz mies ging, habe ich im Auto sogar ein kleines Nickerchen gehalten.

  • Macht nicht den Fehler, den ich Anfangs begangen habe, aufgrund von Zeitmangel ohne Frühstück unter die Bestrahlung zu gehen. Euer Kreislauf nimmt Euch das bestimmt übel! Ich habe mir einen kleinen Snack für's Auto mitgenommen und ganz viel vorher und nachher getrunken, um die Abbauprodukte der Bestrahlung direkt hinaus zu schwemmen.

  • Für die Bestrahlung an sich benötigt Ihr nur ein Handtuch zum Drauflegen und wenn Ihr so Frostbeulen wie ich seid, eines zum Zudecken. Manchmal hatte ich den Eindruck die Klimaanlage sei auf arktische Temperaturen eingestellt.

Wenn Ihr auch keine Lust habt, jeden Tag mit stinkigen Eddings angemalt zu werden, kann ich nur empfehlen, Euch wasserfeste Eyeliner mitzunehmen. Die sind hautschonender und halten selbst wenn man täglich duscht gut eine Woche.

  • Ich hatte das Glück, dass ich während der Bestrahlung kaum Hautprobleme hatte. Ich bin der Überzeugung, dass das an meinen regelmäßig eingenommenen Selen-Tabletten lag. Ich habe die bestrahlten Stellen ab und an mit Babypuder behandelt und ansonsten gar nichts weiter getan. Leider bin ich dennoch nicht ganz verschont geblieben. Nach Ende der Bestrahlung war mein Brustnippel "verbrannt" und die Achselgegend sowie die dortige Narbe so vertrocknet, dass ich den Arm nicht mehr richtig heben konnte. Auf Anraten der Ärztin habe ich meine Haut mit Öl gepflegt -statt Oliven- habe ich Leinöl benutzt. Auf eigene Faust habe ich ein kühlendes Brandgel, das ich im Kühlschrank aufbewahrte, auf die Burstwarze aufgetragen und dadurch Linderung erfahren. Von der Ärztin empfohlen, aber nicht selbst ausprobiert, wurden auch reines Aloevera-Gel und Linola Radioderm.

  • Unterschätzt nicht die sonstigen Nebenwirkungen der Bestrahlung, wie z.B. Müdigkeit, Hitzewallungen und Frösteln. Wenn Ihr im Urlaub mal einen richtig heftigen Sonnenbrand hattet, wisst Ihr, wie viel der Körper damit zu tun hat. Gönnt Euch hinreichend Schlaf, eine Wärmflasche bei Frösteln und Luft/Kühlpack an der Brust, wenn es dort brennt oder heiß wird. Tragt nur Baumwoll-Oberteile und -BHs, die gut Luft an die Brust lassen. Und wenn Ihr Probleme mit der Achselhöhle/Narbe habt, vermeidet einengende Tops/BHs und dreht Shirts von innen nach außen, damit keine Nähte mehr dort unangenehm scheuern können.

  • Meine Ärztin hat mir eine Anschlussheilbehandlung = AHB/ Reha empfohlen und auch von der Praxis aus alles dafür in die Wege geleitet. Ich musste dort nur den entsprechenden Antrag für die Rentenversicherung ausfüllen.

4. Antrag auf AHB (Anschlussheilbehandlung)

Eine AHB-Maßnahme sollte i.d.R. zwei Wochen nach der Operation oder Beendigung der Therapie erfolgen. Leider hat sich meine AHB jedoch um 2 Monate verzögert, da mein Antrag an die falsche Stelle der Deutschen Rentenversicherung (i.F. DRV) gesendet wurde und unterwegs auch mehrfach untergegangen ist. Es gibt für Rheinland-Pfalz einige Besonderheiten (siehe Link oben!) in der Reglung der Zuständigkeiten. Die DRV Bund ist hier zuständig! Ich musste ständig hinterher telefonieren - was nicht einfach ist, wenn man nicht nur in den Warteschleifen der Hotlines geraten möchte. Aber auch hier lohnt sich Geduld und Ausdauer zu bewahren, um ans Ziel zu gelangen.

Damit euch das nicht passiert, empfehle ich euch, bereits zum Ende der Chemo oder Anfang der Bestrahlung Eure AHB zu beantragen. Eine Freundin hat sich bei der Antragsstellung von der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., bzw. von einer der Landeskrebsgesellschaft und deren Beratungsstellen, Unterstützung geholt. Die Glückliche ist ohne Probleme und Wartezeit an ihre Wunsche-Rehaklinik an der Nordsee gekommen.

Dort wollte ich auch sehr gerne hin. Leider hat mir mein Sachbearbeiter von der DRV Bund schriftlich mitgeteilt, dass diese Reha kein Vertragspartner ist und mir stattdessen auf der gleichen Insel, Föhr, die Klinik Utersum genehmigt. Diese Begründung kann man schlecht entkräften. Dennoch arbeitet die Rehaklinik Sonneneck auf Föhr nach meinen Nachforschungen auch mit der Deutschen Rentenversicherung Bund zusammen. Es hängt wahrscheinlich davon ab, wie lange die Wartelisten sind, ob dem Wunsch entsprochen werden kann. Denn ein Wahlrecht gibt es theoretisch! Hier eine Liste aller Rehakliniken der DRV Bund


Nachdem ich auf eigene Faust recherchiert und bei einer Klinik in Erfahrung gebracht habe, dass dort kurzfristig Zimmer frei wären, habe ich mein Wahlrecht geltend gemacht. Ich habe um Änderung des AHB-Antrags in eine andere Klinik in Bayern gebeten, weil es bei meiner genehmigten Klinik auf Föhr eine lange Warteliste bis in die Weihnachtszeit gab. Diesen Wunsch habe ich an die Service-Mailadresse "reha-beratungsdienst@drv-bund.de" gesendet und recht schnell die Genehmigung meiner AHB in der Prof. Dr. Schedel Klinik erhalten. Mit dieser Entscheidung bin ich nach wie vor sehr zufrieden, weil die Rehazeit dort sehr erholsam, effektiv und wirksam war. Ich kann diese Klinik in der Nähe von Passau nur empfehlen, wenn man kein Problem damit hat, dass auch viele Männer mit Prostatakrebs dort Reha machen.

Und übrigens, war ich das einzige "Nordlicht", weil alle Patienten dort aus der Umgebung kamen und meinten, sie hätten sich nur eine regionale Rehaklinik aussuchen dürfen, die max. 250 km weit entfernt läge. Es gibt anscheinend keine einheitliche Handhabung des Wahlrechts. Es lohnt sich also, genauer nachzufragen und Beratungsstellen aufzusuchen, die einem beim AHB-Antrag oder Widerspruch helfen können.

5. Rehasport

Mit Abschluss Eurer AHB habt Ihr 3 Monate lang Zeit, einen Antrag auf auf Rehasport zu stellen. Soll die Rentenversicherung die Kosten übernehmen, lasst Ihr Euch direkt in der Reha eine entsprechende Verordnung für Euer Bundesland ausstellen. Ich habe das leider verpasst. Ich kann mir allerdings unabhängig zur Reha eine ärztliche Verordnung ausstellen lassen und diese an meine Krankenkasse übermitteln. Wird der Antrag bewilligt, gibt es wieder eine Frist innerhalb dessen Ihr den Rehasport antreten und durchführen müsst.

Bei Brustkrebs wird vor allem im Oberkörper und den Armen trainiert, um mögliche Lymphödeme und -stauungen entgegen zu wirken. Auch gibt es die Möglichkeit, in eine Ausdauer-Gruppe zu gehen.

6. Schwerbehindertenausweis

Je nachdem wie eingeschränkt Ihr nach der Krebstherapie seid, macht die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises bei Eurem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Sinn. Ihr erhaltet je nach Prozentsatz steuerliche Vorteile sowie Vergünstigungen bei Eintrittsgeldern. Eine Behindertenparkplatz dürft Ihr allerdings nur bei schwerwiegenden körperlichen Gebrechen nutzen. Lasst Euch direkt in der Reha beim Antrag helfen. Die Bearbeitungszeit dauert ewig! Bei mir sind es schon 4 Monate und ich habe noch immer keinen Ausweis!

7. Rente bei voller/teilweiser Erwerbsminderung

Im September 2017 -gleich nach der Bestrahlung- musste ich zur Rentenversicherungsanstalt, um meine Rentenlücken überprüfen zu lassen. Dabei wurde festgestellt, dass ich von der rechtlichen Seite her, bereits eine Anwartschaft auf Rente zusammen gesammelt habe. Diese entsteht, wenn man für die nötige Mindestlaufzeit von 5 Jahren die Pflichtbeiträge in die Rente eingezahlt oder aufgrund von Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Krankheit, etc. erworben habt. Meine Beraterin gab mir die Empfehlung, aufgrund der Krebserkrankung eine Erwerbsminderungsrente anzustreben, weil ich dem allgemeinen Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung stand. Dieses Verfahren ist sehr langwierig und die Chancen, Rente bewilligt zu bekommen, nicht so rosig. Hier einige Tipps zum Vorgehen:

a. Lasst Euch bei Eurem Rentenversicherer beraten, ob Ihr bereits eine Anwartschaft auf Rente erworben habt! Sollten die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein, gilt aber:

b. Der Grundsatz "Reha vor Rente". Ihr müsst erst eine AHB oder Rehamaßnahme durchlaufen haben.

c. Wenn Ihr trotz Reha noch nicht arbeitstüchtig seid, lasst Euch in der Reha von Eurem Arzt ein entsprechendes, medizinisches Gutachten erstellen. Hierbei gibt es zwei Hürden zu nehmen:

Ihr müsst nachweisen, dass Ihr aufgrund der Krebserkrankungen Euren alten Job nicht mehr ausführen könnt sowie dem allgemeinen Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung steht, weil ihr nicht min. 3 Stunden (volle Erwerbsminderung) oder min. 6 Stunden (teilweise Erwerbsminderung) arbeiten könnt. Psychische Einschränkungen zählen nicht zu den direkten Folgen einer Krebserkrankung! Ihr könnt diese jedoch von einem weiteren Arzt, Neurologen, Psychologen attestieren lassen, so dass sich Eure Chancen verbessern.

c. Es kann sein, dass Ihr trotz geeigneter ärztlicher Atteste noch von einem von der Rentenversicherung benannten, unabhängigen Amtsarzt ein weiteres Gutachten erhalten müsst.

d. Habt Ihr die rechtlichen wie auch medizinischen Voraussetzungen erfüllt, könnt Ihr den Rentenantrag stellen. Lasst Euch unbedingt von einer Beratungsstelle dabei helfen, da es sich um sehr viel Papierkram, der auch noch kompliziert ist, handelt. Bis zu einer Ablehnung oder Bewilligung kann es 6 Monate dauern. Falls Ihr Glück habt, wird die Rente, noch nicht unbefristet ausgestellt, sondern erstmal für 1 bis 2 Jahre. Danach erfolgt eine weitere medizinische Untersuchung, ob Ihr nun dem allgemeinen Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen könnt.

e. Die Rentenversicherung übernimmt im Rahmen der beruflichen Rehabilitation auch Umschulungsmaßnahmen und weitere Zuschüsse.

8. Nachsorge & Co.

Die Nachsorge kann sich sehr umfangreich und kompliziert gestalten. Es wäre sinnvoll, einen Hausarzt zu haben, der die unterschiedlichen Untersuchungen zeitlich im Blick hat und koordiniert. Ich habe bisher leider noch keinen gefunden und organisiere meine Nachsorge selber, was einen guten Überblick voraussetzt:

a. Die Nachsorge bei der Bestrahlung konnte ich wegfallen lassen, da ich keine Verbrennungen oder andere Folgen von der Bestrahlung zurück behalten habe.

b. Alle 3 Monate stelle ich mich bei meinem Onkologen vor. Dieser überprüft die Blutwerte und macht auf meinen Wunsch einen Abdomen-Sono.

c. Alle 6 Monate gehe ich zur Mammographie und zum Brustultraschall.

d. Aufgrund psychischer Probleme sowie Stressfolgen wie z.B. Tinnitus habe ich Termine beim Psychotherapeuten, Neurologen, Orthopäden.

e. Eine genetische Untersuchung an der Uniklinik Bonn aufgrund meiner Tumorart "triple negativ" habe ich bereits durchgeführt und glücklicherweise gibt es keine Mutation in den brca1- und brca2-Genen, was mir im Hinblick auf eine Vererbbarkeit an meine Töchter besonders wichtig war. f. Da ich mich bereits in der Menopause befinde und einige Symptome daraus folgen, wie z.B. schmerzhaftes Brustspannen, lasse ich mich von meiner Gynäkologin mit Homöopathie und Akkupunktur begleiten.

g. Ein Termin beim Kardiologen, ob die Bestrahlung Auswirkungen auf mein Herz und meine Gefäße hatte (bzgl. des Tinnitus') steht noch aus. Ansonsten muss ich noch zur Ohrklinik oder ins CT deswegen.

h. "Normale" Regeluntersuchungen wie z.B. Hautarzt aufgrund meiner vielen Muttermale, Augenarzt (Augeninnendruck), Frauenarzt sowie Zahnarzt nehme ich jetzt auch ernster.

Wie man sieht, bin ich alleine mit meinen ganzen Arztterminen schon hinreichend beschäftigt dieses Jahr. Daneben möchte ich aber auch selber etwas für meine Gesundheit tun und beschäftige mich mit dem Thema Ernährung und Fasten. Hierzu wird eine eigene Site folgen.


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