Abschluss finden - Port raus

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Wie habe ich vor etwas über einem Jahr am 4.1.17 geflucht, als mir der Port durch einen "Metzger" mehr als ungünstig und stümperhaft in der rechten Achselbeuge/Dekolletee implantiert wurde. Trotzdem würde ich es immer wieder so machen. Für jede Frau, die nicht mit auffälligen, großen Venen gesegnet wurde, ist der Port der Segen. Die Chemo kann fast schmerzfrei und unkompliziert über den Schlauch direkt in die Herzvene laufen und von dort schnell im gesamten Körper verteilt werden. Nachdem ich mich an dieses beängstigende, mentale Bild vom Fremdkörper in Herznähe gewöhnt hatte, wusste ich die kleine Metallkiste sehr zu schätzen.

Im Nachhinein hätte ich mir den Port jedoch lieber ambulant unter lokaler Betäubung setzen lassen. In der Cura-Klinik wurde mir diese Möglichkeit leider nicht eröffnet. Eine Vollnarkose ist für so einen Eingriff viel zu stark. Und ich glaube, dass sich ein Chirurg mehr Mühe gibt, wenn er mir in die offenen Augen schauen und mit mir reden kann - anstatt in mir nur einen bewusstlosen Körper zu sehen. Nur so kann ich mir erklären, wieso ein eigentlich einfacher Eingriff so unprofessionell umgesetzt wurde.

Gestern also kam die kleine Kiste ambulant und unter lokaler Betäubung im Linzer St. Franziskus Krankenhaus heraus. Ich bin froh, dass ich den Eingriff dort vornahm, wo ich zuvor so gute Erfahrungen mit der Onkologie und Chemo gemacht hatte. Es gab kaum Wartezeit und ich wurde pünktlich in den OP geführt. Ein seltsames Gefühl, eigenständig in den OP-Saal rein zu laufen -aber es fühlte sich sehr selbstbestimmt und damit richtig an. Im OP selber habe ich mit den Anästhesisten nett geplauscht bis die Chirurgin da war und dann bat ich um gnädiges Hinwegdösen. Ich habe zwar wie im Traum mitbekommen, dass es irgendwann etwas ruppiger und schmerzhafter wurde. Erhielt sogleich eine weitere Dosis des Narkosemittels und kam dann erst im Aufwachraum wieder zu mir. Nach einer weiteren Stunde Beobachtungszeit durfte ich wieder Heim. Das Ergebnis werde ich in den nächsten Tagen sehen, wenn ich den Verband abnehme. Ich hoffe, dass die alte Narbe tatsächlich gesäubert und nun feiner vernäht wurde.

Für mich ist mit der Port-Extraktion damit das Kapitel Krebstherapie abgeschlossen. Ich habe lange Zeit mit mir gehadert, ob ich den Port drinnen lassen sollte. Wer weiß, vielleicht werde ich doch rückfällig? Dann wäre er schon da und es könnte direkt behandelt werden.

Unabhängig davon, dass der Port immer schon schmerzhaft lag, kam ich zu dem Schluss, dass dies nicht die richtige Einstellung zum Heilungsprozess ist. Es wäre ein Sieg der Angst über das Überleben, wenn ich den Port drinnen gelassen hätte. Ich entscheide mich aber ganz bewusst für das Leben mit all seinen Risiken, werde heil und bleibe gesund. Wozu also das störende Ding, das alle drei Monate auch noch durchgespült werden muss, damit keine Thrombose entstehen kann?

Tschüss Port, Krebs und -therapie! Ich habe einen Stück meines Lebensweges mit euch im letzten Jahr bestritten, viele wertvolle Erfahrungen gemacht, Erkenntnisse gesammelt, liebe Menschen darüber kennen gelernt. Aber jetzt ruft das Leben! Mit all seinen Abenteuern und Risiken. Ich bin bereit für einen neuen Anfang...ich bin bereit, meine eigene Wahrheit zu leben!


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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

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