Liebe trotz Krebs? Liebe trotzt Krebs!

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Wie passt das zusammen? Die Liebe zu unserem Partner und die Krebserkrankung? Jemanden Liebe schenken können, wenn wir alle Kraft der Welt nur für uns selber benötigen?

Eines ist sicher! Egal, wie lange unsere gemeinsame Liebe bereits andauert und wie sie bisher aussah: Jetzt geht es um Eigenliebe! Und zwar um so viel Eigenliebe, dass fast die gesamte Energie daraus in den Heilungsprozess hinein fließt.

Bleibt also nicht mehr all zu viel Liebe übrig für unseren Liebsten! Harte Zeiten...

Unsere Welt steht auf den Kopf! Und dieser hat genug damit zu tun, die neue Realität zu begreifen und zu verarbeiten. Das vorherrschende Gefühl in dieser Zeit ist die Scheiß-Angst! Und es kostet uns eine Menge positiver Gefühle und Gedanken, um dieser die Schranken zu weisen. Das stellt jede Beziehung auf eine harte Probe.

Die Liebsten haben jetzt allerdings die Möglichkeit, über sich selber hinaus zu wachsen und sich in Rücksichtnahme, Uneigennützigkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen und Fürsorge zu üben. Das sind nicht gerade Eigenschaften, die wir in unserer Gesellschaft als männlich betrachten. Sie führen als sogenannte "Soft-Skills" auf Seiten der Männer ein eher mageres Dasein. Zumindest ist das die weit verbreitete Ansicht. Was so aber nicht ganz stimmt! Oder?!

Denn so mancher Mann geht in dieser neuen, sehr herausfordernden Aufgabe völlig auf. Er wird zum aufmerksamen Zuhörer und einfühlsamen Tröster. Er steht seiner Frau verlässlich zur Seite wie ein Fels in der Brandung. Er begleitet sie zu Untersuchungen, Operationen sowie Krebsbehandlungen. Er informiert sich über die Erkrankung und gibt sein Wissen gut gefiltert und Hoffnung machend an sie weiter. Er kümmert sich um den Haushalt, die Kinder und verdient weiterhin den nötigen Unterhalt.

Gibt es sowas überhaupt? Oder ist das unser bedürftiges Wunschdenken? Es existieren wahrscheinlich irgendwo diese "Übermänner", die alles auf einmal wuppen, als hätten sie nur auf diese Herausforderung gewartet. Aber sind wir mal ehrlich: sie gehören eher zu der Kategorie "Supermann", oder Mädels?! Wir müssen mal schön auf dem Boden bleiben und unsere Lieben nicht mit zu vielen Erwartungen belasten und unter Druck setzen. Denn das übernimmt der blöde Krebs schon selber!

Realistischer und nicht weniger bemerkenswert sind unsere Männer, wenn sie sich bereits für das Bleiben und Aushalten entscheiden. Das alleine ist ein nicht selbstverständlicher Liebesbeweis, den nicht jeder Partner erbringen kann oder will. Alles, was "on top" an Liebe und Unterstützung geschenkt wird, verdient entsprechende Dankbarkeit.

Schließlich gibt es Männer, die es mit der Angst zu tun kriegen und ihre Partnerin verlassen. Oder diejenigen, die den Anblick ihrer kranken Partnerin nicht ertragen können und sich der neuen Belastung nicht gewachsen fühlen. Auch diese Reaktionen sind nicht unüblich und dürfen nicht vorschnell verurteilt werden. Der Krebs bringt nicht nur uns an unsere Grenzen, sondern auch alle lieben Menschen in unserem Umfeld. Und jeder hat seine eigene Bewältigungsstrategie, die wir nicht ohne weiteres kritisieren sollten.

Allerdings ist es nicht Aufgabe von uns erkrankten Frauen, diese Männer zu trösten, aufzufangen und ihnen Mut zu machen. Auch sollten wir keine Kraft verschwenden, ihnen hinterher zu rennen oder sie zum Bleiben zu bewegen. Wir können sie lediglich um ihre Hilfe bitten und auf professionelle Unterstützung durch Psychologen hinweisen.

Das hört sich jetzt sehr hart an. Aber wenn es um Leben und Tod geht, dürfen und können wir Frauen uns erst recht nicht emotional zerreißen oder mit Menschen belasten, die uns nicht gut tun. Das ist nicht egoistisch! Nein, das ist reiner Überlebensinstinkt!

Viele Beziehungen können dieser Belastung irgendwann nicht mehr stand halten und scheitern daran. Einen Vorwurf dürfen wir jedoch niemanden machen. Denn jeder gibt das, wozu er fähig ist.

Die Beziehungen, die auch noch nach den Krebstherapien existieren, sind leider auch nicht aus dem Gröbsten heraus. Es kann passieren, dass mit sinkendem Druck, der Partner merkt, wie sehr er selber Federn gelassen hat. Es kann bei ihm zu einem Burn-Out kommen. Auch hier können wir unseren Liebsten nur raten, sich professionelle Hilfe zu holen. Denn wir sind nicht gerade wieder auf dem aufsteigenden Ast gekommen, um uns wieder aufzuopfern oder zu verausgaben. Mögen die Haare auch wieder da sein und wir wieder etwas gesünder aussehen, sind wir bei Weitem nicht die "Alten". Zuerst vom Kraft- und Energielevel. Dann vom Körperlichen und der Konzentration. Und dann haben wir uns emotional verändert und unsere Lieben sowie das Umfeld ein stück weit mit. Wir können nicht wieder auf Los zurückkehren und so tun als sei nichts gewesen.

Es gilt eine Balance zu finden, zwischen den alten Gewohnheiten und zu integrierenden, neuen Veränderungen. Es ist richtig schwer, mit halber Kraft, den Alltag für sich selber neu zu definieren und schrittweise anzupassen. Auch hier dürfen wir unsere Lieben weiterhin um Rücksichtnahme und Geduld bitten. Aber wir haben jetzt endlich wieder Kapazitäten und Emotionen frei, um reflektiert wahr zu nehmen, was unsere Partner bisher für uns geleistet haben. Es beginnt eine Zeit der Wiederannäherung und des neuen Aushandelns alltäglicher Aufgaben sowie Rollenzuweisungen. Es kann allerdings auch die Erkenntnis reifen, dass man sich auseinander entwickelt hat und nicht mehr genügend Liebe füreinander da ist.

Ich kann nur empfehlen, diesen Übergang in den Alltag möglichst bewusst, ehrlich und zusammen mit dem Partner zu gestalten. Denn es steckt gerade hier die Chance und das Potential drinnen, um die Partnerschaft auf ein neues Level zu heben oder sie immerhin im Guten und mit Respekt zu beenden.

Egal, wie es weiter- oder ausgeht. Eines haben unsere Partner, die diese Zeit mit uns gemeistert haben, auf alle Fälle verdient:

Ein riesengroßes Dankeschön sowie Respekt und Aufmerksamkeit!

Danke mein lieber Friedrich, dass du für mich und die Kinder so verlässlich da warst und bist! Ich liebe dich dafür!

Denn die Liebe trotzt allen Widrigkeiten!


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