Verliebt in den Tod?!

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Uuuhhh, wird es jetzt makaber? Masochistisch? Morbide? Das liegt im Auge des Betrachters! Hierzu folgendes Bild:

Es gibt im buddhistischen Glauben, einen kleinen Vogel, der auf der linken Schulter der Menschen sitzt, sie in ihrem Leben ständig beobachtet und immer wieder an den Tod erinnert: ‚Was sagt der Tod zu deiner Art zu leben, zu deinen Sorgen und Entscheidungen? Würdest du etwas anders machen, wenn du wüsstest, dass der Tod gerade zuschaut? Was wäre dann nicht mehr so wichtig? Und was wäre wichtig? Bist du der Mensch, der du sein möchtest?‘

Warum brauchen wir Menschen eigentlich diese ständige Ermahnung? Warum gibt es im christlichen Glauben die Vorstellung von Teufel und Hölle? Wieso gibt es Menschen, die sich ohne die Grenzerfahrung des Todes z.B. durch extremes Abenteuern nicht lebendig fühlen? Warum erscheint uns unser Partner in der Phase der Verliebtheit um so vieles attraktiver und begehrenswerter als nach einigen Jahren Beziehung?

Es liegt an unseren integrierten Schutzmechanismus, der sich da Gewohnheit und Verdrängung nennt. Wir würden schlichtweg verrückt oder krank werden, wenn wir ständig im Flucht-, Angst- und extremen Euphoriemodus lebten. Leider ist dieser Beruhigungs-Modus so raffiniert, dass er uns vorgaukelt, in Sicherheit zu leben und dem Tod entkommen zu können. Wenn wir nicht gerade unmittelbar mit Tod und Krankheit konfrontiert werden, leben wir unser Leben so dahin -lassen es vor sich hin plätschern. Daran ist im Grunde nichts auszusetzen, wenn es eine ganz bewusste Entscheidung ist. Wenn wir uns jedoch aus Bequemlichkeit und übertriebener Anpassungsbereitschaft die Fäden aus der Hand reißen lassen, degradieren wir uns zu Statisten im eigenen Leben. Wir sollten darin die Hauptrolle spielen!

Das sähe anders aus, wenn wir jeden Tag das Vögelchen in unseren Ohren zwitschern hören würden. Im Angesicht des Todes wird uns erst die Großartigkeit der Schöpfung und unseres Daseins vollkommen bewusst. Erst die Furcht vor dem Verlust, lässt uns das wertschätzen, was gerade ist. Das Leben spiegelt sich im Anblick des Todes in seiner Einzigartigkeit wider. Wer es wirklich liebt, ist in den Tod unweigerlich verliebt.

Würden wir unendlich leben, bekäme unsere Existenz hier auf Erden mit der Zeit einen faden Geschmack. In der Wiederholung liegt Routine, darin Sicherheit und darin irgendwann die Langeweile und das Angeödet sein.

Es ist unser menschlicher Makel oder unsere Tugend, dass wir mit dieser widersinnigen Einstellung zu Leben und Tod zur Welt kommen.

Der einzige Weg aus diesem Dilemma herauszukommen, ist die Achtsamkeit und Bewusstheit sowie die tägliche Wertschätzung und Dankbarkeit. Leider fliegen uns diese nicht einfach so zu, sondern müssen kultiviert und jeden Tag auf's Neue geübt und gelebt werden. Bis sie unseren integrierten "Verdrängungs-Mechanismus" dauerhaft auf gesunde Wachheit umschalten.

Der Tod lehrt uns das Leben


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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

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