Zu viel heiße Luft erzeugt ...'nen Fön!

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Wann habe ich eigentlich aufgehört, so richtig ICH zu sein? Und damit angefangen, für andere passend zu sein?

Na klar, kann ich nicht wie die Axt im Walde komplett meine Gefühle ausleben. Ein gewisses Maß an Anpassung ist überlebensnotwendig und Grundvoraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft. „Wo kämen wir denn hin, wenn jeder lebte wie er wollte?“

Aber wo kommen wir hin, wenn wir gar nicht mehr leben, wie wir wollen und es unserem Wesen entspricht? Eine ausgebrannte, lethargische und notorisch kranke Gesellschaft kann nicht als Ideal bezeichnet werden. Und doch scheint es, als ob wir genau in einer solchen leben...wir rennen, brennen, sondern so viel heiße Luft nach Außen ab -Internet & co. sei dank für die ganze (virtuelle) Welt vernehmbar-, dass wir die Fähigkeit verlieren, den Schaltern rechtzeitig umzulegen bevor es zu spät ist. Bevor wir überhitzen, durchschmoren und ausbrennen.

Ich will mich da gar nicht raus nehmen...ich mache häufig genug beim "Heiße-Luft-Abgeben" selber mit oder motiviere dazu. Aber ich merke mittlerweile, wann es bei mir zu viel wird. Meist kriege ich noch rechtzeitig die Kurve und trete bewusst auf die Notbremse.

Aber muss es denn erst zu einer Fast-Kollision mit dem eigenen Nervenkostüm oder der körperlichen Unversehrtheit kommen, um mal wieder einen Gang runter zu schalten? Um einfach mal die Luft anzuhalten? Und nicht dauernd zu senden -egal in welcher Form?

Ich finde, es wird zu viel geredet mit zweifelhaft sinnvollem Inhalt...es wird palavert, geschwafelt, gelabert, geplappert, gequasselt, geschwätzt, geklönt, gebrabbelt, gelallt, gelästert, gestammelt, gestottert...ohne wirklich ETWAS zu sagen oder zu sagen, zu haben. Und das mittlerweile nicht nur in real life, sondern auch auf allen zur Verfügung stehenden Medien und Kanälen. Sich dem zu entziehen, ist ein Kraftakt ohne gleichen. Aber es geht!

Und hier kommt das mit der Anpassung ins Spiel. Ja, ich bin ein soziales Wesen, das auf Kommunikation angewiesen ist, um in meiner Existenz gespiegelt zu werden und nicht zu verkümmern. Und früher war es mir sehr wichtig, WIE ich gespiegelt werde: nämlich als beliebte und sympathische junge Power-Frau. Für mich kam es einem Weltuntergang gleich, wenn ich nicht dazu gehörte oder über mich geredet wurde. In der Pubertät habe ich mir gesagt, dass die anderen es dann nicht wert sind und erst-recht meine Individualität ausgelebt -trotziger Teeny halt! Später im Berufs- und Mamaleben kam dann die Wende und ich strengte mich stattdessen riesig an, um gefällig und "richtig" zu sein. Gerade für die Frauen- und Mamawelt! Denn den Männern gefiel ich schon immer so wie ich war und bin. Und mit jedem Zugeständnis zur Anpassung habe ich MICH schleichend aus dem Auge verloren.

Nun bin ich hier in meiner Mama-Kind-Kur und habe zum ersten Mal in meinem Leben keine Lust auf Dazugehören, bzw. keine Angst vor dem "Nicht-Dazugehören". Es ist mir mittlerweile wirklich egal, was andere über mich denken. Und das meine ich nicht teeny-bockig, um mich damit vor negativen Gefühlen schützen zu können. Sondern ich fühle es tief in meinem Inneren, dass ich über dieses fatale Bedürfnis von Früher wirklich hinweg gekommen bin. Natürlich nicht so leicht, wie es sich jetzt lesen mag und auch nicht automatisch. Es kostet mich schon einiges an Selbstreflektion und Geduld mit mir selber, mich meinen alten Mustern und Glaubenssätzen nicht zu ergeben...und die ein oder andere Rückenstärkung durch Austausch mit für mich wertvollen Menschen.

Natürlich will ich keine Einzelgängerin oder Einsiedlerin werden. Aber ich suche mir die Personen, denen ich meine Aufmerksamkeit schenken möchte viel bewusster aus und ebenso die Inhalte meiner Gespräche. Und natürlich muss es nicht immer bierernst zugehen und ja, es macht auch Spaß „verbalen Dünnpfiff“ von sich zu geben.

Aber irgendwann muss die Stille und die Tiefe folgen. Der leise und leere Raum, um wieder nach innen zu mir selbst zu kehren und mir selber zu lauschen. Und da das als hochsensible (leider nicht hochbegabte;o) Person nicht ohne weiteres umsetzbar ist, bedeutet das für mich den Rückzug antreten. Mir und anderen zuliebe gehe ich freiwillig auf Distanz bis ich mit mir wieder gut Freundin und in Balance bin. Dann lasse ich mich auch gerne wieder ungefiltert auf die Menschheit los und ein. Mit einem guten und bewussten Gefühl!

Alles andere wäre sonst eh' nur heiße Luft! Und dann drohe ich 'nen Fön zu kriegen und zu im- oder explodieren.


0 Ansichten

© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

Leubsdorf am Rhein/

Rheinland-Pfalz

am.winkler@icloud.com

  • Black Facebook Icon
  • Black Twitter Icon
  • Black Instagram Icon