Yeah!!! 2 Jahre krebsfrei!!!

Aktualisiert: 23. Okt 2019


Das bedeutet für mein damalig sehr aggressives und schnell wachsendes triple-negativ Mammakarzinom eine sehr gute Prognose! Denn ein Rezidiv ist -laut meinem Onkologen- bei diesem Typus eher in den ersten beiden Jahren nach der Krebsbehandlung zu erwarten!!!

Kaum zu glauben, dass mein Leben nach den äußerst krassen und bedrohlichen Erfahrungen wieder so normal und alltäglich verlaufen kann. Aber ja! Selbst so ein blöder Krebs gerät irgendwann in den Bereich meiner hintersten Gehirnwindungen und das Leben fließt weiter...sogar ziemlich gut!!!

Es ist nicht so, als ob ich in den vergangenen Jahren überhaupt keine Angst mehr gehabt hätte und alles easy verlaufen wäre. Mein Körper hat sich verändert. Er ist anfälliger geworden und bei jedem Zimperchen wie z.B. Verspannungen, Verhärtungen der Narben, Hautveränderungen um die Brüste herum, gerate ich noch immer etwas in Panik. Außerdem hat sich mein Hormonhaushalt noch immer nicht normalisiert. Über ein Jahr lang befand ich mich in der Menopause. Dann bekam ich letztes Jahr im Sommer wieder meine Periode und wurde in die zweite Pubertät geschleudert. Und jetzt ist meine Blutung schon wieder 3 Monate ausgefallen -Schwangerschaft ausgeschlossen (denn das Thema ist tatsächlich für mich gegessen!). Einhergehend mit diesen Auf und Ab der Hormone gibt es körperliche und psychische Nebenwirkungen. z.B. hatte ich im Herbst plötzlich eine entzündetes Divertikel an der Harnröhre, was notfallmässig operiert werden musste. Eigentlich kommt so etwas (wenn überhaupt) bei älteren Frauen in den Wechseljahren vor, wenn das Gewebe und die Schleimhäute aufgrund des Östrogenmangels sich verändern.

Psychisch bin ich mal mehr, mal weniger gefestigt und belastbar. Viele Alltagserlebnisse triggern depressive Verstimmungen noch schneller als früher. Und daher musste ich im November leider meine im Frühjahr abgesetzten Anti-Depressiva wieder einnehmen. Im Moment versuche ich sie ausschleichen zu lassen. Denn diese Medikation ist Fluch und Segen zugleich. Ich bin seit dem Sommer schwer verliebt. Und nachdem ich meine Meds wieder nehme, bleibt mir zwar Kummer und Stress auf erträgliche Entfernung vom Leib. Allerdings dringt auch das Positive nicht mehr so leicht durch meine Schutzwatte durch. Ich erlebe insgesamt etwas gedämpfter. Auch meine anfängliche Verliebtheit und Lust im Liebesleben hat im Winter schwer gelitten. Aber langsam erwachen wieder richtige Frühlingsgefühle und damit verbunden auch meine Lebensgeister sowie die Lust am Leben und Lieben!

Von der medizinischen Seite her sah meine Nachsorge die halbjährliche Mammo und den Ultraschall der betroffenen Brust sowie jährliche Mammo auch an der anderen Brust dazu vor. Im kommenden Herbst habe ich meine letzte halbjährige Untersuchung und dann geht es im Jahresrhythmus weiter. Zum Glück habe ich eine sehr verständnisvolle Frauenärztin, die bei den kleinsten Wehwehchen in den Brüsten sofort einen abklärenden Ultraschall macht und mich sogar mal zu einem Radiologen zur 100%tigen Abklärung geschickt hat. Mein Onkologe hat mich nach der Chemo alle drei Monate im Abdomen-Bereich geschallt und meine Blutwerte im Blick behalten. Diese Untersuchung gehört nicht zur regelmäßigen Nachsorge dazu, wurde von ihm aber zur Beruhigung angeboten. Bei der letzten Untersuchung im Februar habe ich keinen weiteren Termin vereinbart, weil ich mich jetzt langsam wieder auf mein Körpergefühl verlassen möchte und eigentlich auch kann.

Beruflich bin ich bis 2020 noch berentet und habe bisher auch nicht wieder angefangen zu arbeiten. Erst jetzt fühle ich mich körperlich wieder so fit, dass ich sporadisch kreativen Kindertanz anbieten kann und ab dem Sommerferien sogar wieder Zumba unterrichten möchte. Manchmal fehlt mir die regelmäßige, berufliche Herausforderung und der Kontakt mit Kollegen und Teilnehmern/Klienten. Aber bisher war ich weder körperlich noch psychisch in der Lage, regelmäßig zu arbeiten. Hier bin ich allerdings auf einen guten Weg. Und ich muss ja auch wieder selbstständig verdienen. Immerhin habe ich mich von meinem Mann im Sommer getrennt und muss ab April 2020 für mich und meine Mädels selber aufkommen können.

Und die Liebe? Da habe ich wirklich den 6er im Lotto gewonnen. Im Juni jährt sich unser erstes Liebesdate und ich bin noch immer schwer verliebt. Zu dieser Verliebtheit hat sich eine innige Verbundenheit und tiefe Liebe entwickelt, die mich wieder zum Erblühen bringt. Es ist unglaublich, dass ich die Liebe meines weiteren Lebens genau dann gefunden habe, wo ich am wenigsten danach gesucht und überhaut nicht mehr mit ihr gerechnet habe. Ich bin voller Dankbarkeit über diese Bereicherung meines Lebens und das meiner Kinder. Auch wenn meine Süßen unter der Trennung immer mal wieder ein wenig leiden, haben sie ein kleines Stückchen neue Familie hinzu gewonnen. Denn mein Partner hat zwei Kinder im Alter meiner älteren Tochter, die sich super mit meinen beiden Mädels verstehen. Hier bin ich voller Vorfreude, Neugier und Spannung, was uns die Zukunft noch so alles bringen wird. Uns als Paar und als Patchwork-Family.

Ich danke dem lieben Gott, dass ich diese wunderbaren neuen Erfahrungen machen und einfach weiter leben darf. Auch wenn ich nicht mehr jeden Tag so intensiv diese Dankbarkeit spüre, weiß ich doch um den unschätzbaren Wert meines Daseins. Der Krebs hat mich gelehrt, das Leben in Gänze zu nehmen, zu genießen und wirklich so zu führen, wie ich es mir ersehne und wünsche. Auch wenn es bekanntlich "kein Wunschkonzert ist", versuche ich möglichst viele Lebenswünsche in mir aufzudecken, zu äußern und natürlich umzusetzen...manche sofort und manche Schritt für Schritt! Wie es gerade machbar ist...


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