Generation "Bindungs-Unfähig" oder die Kunst auf Probe zu Leben!



"Wir haben zu viel!!!!"

In unserer schnelllebigen, globalisierten, überbevölkerten Überfluss- und Wegwerfgesellschaft wird selbst die einfachste Entscheidung, ob Kaffee oder Tee zur gedanklichen Meisterleistung. Immerhin gilt es die beste Alternative zu treffen zwischen:


Filterkaffee, Siebträger-Kaffee, Cappuccino, Espresso, Latte Macchiato? Mit normaler, lactosefreier Kondens-, Ersatz- (Soja, Mandel, Dinkel, Reis etc.) oder gar keiner Milch? Oder doch lieber Beutel-, Bio-, Fairtrade-, Regio-Tee, lose, frisch, grün, schwarz, fruchtig oder mit Kräutern, weißem Zucker, braunem Candis, Honig, Zitrone oder Milch (Auswahl siehe bei Kaffee)?


Zum Begreifen einer Speise- und Getränkekarte braucht man heute ein Studium der Sprachwissenschaft, Geographie, Ernährungswissenschaft und Lebensmittelkunde. Jeder Otto-Normal-Verbraucher steht sonst wie der Ochs vorm Berg und bestellt in der morgendlichen "Halbwach-Muss-zur-Arbeit-Hetze" nur noch überfordert "Kaffee schwarz ohne alles!".


"Früher war alles besser!!!"

Oder etwa nicht? Zumindest war es einfacher -in allen Belangen des (täglichen) Lebens, da es nicht so viele Alternativen gab. Wenn man einkaufen ging, gab es in Reichweite EINEN Tante Emma Laden, Metzger und die Bäckerei. Heute gibt es Discounter, Bioläden, diverse Einzelhandels- sowie Großhandelsketten, regionale Obst-, Bauernhöfe,...Wenn man sich früher verliebte, wurde meist direkt geheiratet und "bis dass der Tod euch scheidet" zusammen gelebt. Heute gibt es alleine Dank Tinder, Parship & Co. so viele potentielle Partner, dass es schon eine Spitzenleistung ist, wenn man sich überhaupt für EINE Person entscheidet. Ob man danach nur ein paar Wochen zusammenbleibt, irgendwann zusammen zieht, eine Familie gründet oder gar heiratet, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Wenn man früher nach der Schule ins Berufsleben einstieg, machte man eine Lehre oder studierte, suchte sich einen (Herzens-) Arbeitgeber aus und blieb bis zur Rente dort. Heute gibt es Praktika, Trainees, Sabbaticals, rotierende Jobs, Ausbildungen, Berufsakademien,... und zum guten Ton im Bewerbungsprozess gehört es, in der Welt sowie bei vielen Unternehmen herum gekommen zu sein. Betriebsjubiläen sind ein aussterbendes Phänomen der jetzigen Rentnergeneration.


Was macht diese unglaubliche Vielfalt und Auswahlmöglichkeit in allen Bereichen unseres Lebens mit uns? Glücklich bzw. glücklicher als die Menschen früher? Eher im Gegenteil wage ich zu behaupten. Psychotherapeuten, Berater, Coaches und Ärzte haben Hochkonjunktur. Denn die Menschen fühlen sich zunehmends schneller überfordert. Wenn wundert das schon, wenn selbst die einfachsten Dinge des Lebens, wie die Entscheidung über Kaffee oder Tee so kompliziert geworden sind und zum Teil unerwartet weitreichende Folgen haben. Denn mit jeder Entscheidung, gibt man bewusst oder unbewusst ein Statement ab, das top oder flop, in oder out ist.


"Wie? Du trinkst deinen Kaffee noch mit normaler Kuhmilch? Weißt du denn nicht, dass die Kühe dafür mit "Turbo-Eutern" gezüchtet werden, die ihnen das Laufen unmöglich machen? Das ist Tierquälerei!" "Dir ist schon klar, dass Milch bzw. Lactose den Körper von innen quasi verschleimt und Entzündungen begünstigt? Das ist wirklich ungesund!" Kaum zu glauben, aber eben diese Mini-Entscheidungen bzw. Statements können den privaten und beruflichen Erfolg positiv oder negativ beeinflussen. Das Wissen bzw. Unwissen über folgenreiche Konsequenzen einer Entscheidung verunsichert, schüchtert ein und blockiert. Manche Menschen so sehr, dass sie sich handlungsunfähig fühlen, aus dem Leben zurückziehen und auf Dauer nicht nur psychisch krank werden.


Die einzige Möglichkeit, weitestgehend ohne Blessuren aus diesem verrückt anmutenden Entscheidungs-Dschungel herauszufinden, ist die Kunst des "Unverbindlich-Bleibens". Es wird zwar eine Entscheidung getroffen. Aber die bleibt so vage, dass man sich noch alle Hintertürchen offen hält und sich nicht wirklich zu etwas bekennt. Es wird die Alternative präferiert, die am einfachsten zu revidieren ist und am bequemsten rückgängig gemacht werden kann. Sei es das Hobby, das man zum günstigen Probepreis beginnt, sonstige Käufe auf Probe oder mit vereinfachter Rückgabe-Garantie tätigt, das Arbeiten als Praktikant/Trainee auf Probe, Liebes-Beziehungen, die als "Freunde-Plus" oder "On-Off-Beziehungen" geführt werden, weil man sich nicht auf eine einzige Person beschränken und den "Markt" noch weiter sondieren möchte -könnte ja noch was besseres nachkommen.


Diese Art des unverbindlichen Lebens wirkt nach Außen hin auf Dauer allerdings unseriös, unzuverlässig, beliebig und austauschbar. Aber auch nach Innen hin hat dieses "Leben auf Probe" schwerwiegende Konsequenzen. Wer den Eindruck hat, alles sei beliebig und austauschbar, wird sich selber irgendwann so fühlen. Wer nach außen hin nicht wertschätzt, wird seinen eigenen Wert auch nicht mehr kennen. Wer sich nach außen hin für nichts verantwortlich fühlt, wird auch keine Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Und spätestens wenn die erste ernsthafte Erkrankung kommt, wird so ziemlich jedem Menschen bewusst, das dieses Leben ein Verfallsdatum hat und nicht dauerhaft auf Pump, Probe und mit Rückgabemöglichkeit gelebt werden kann. Sondern einmalig, kostbar und unwiederbringlich ist.


Wer es nicht soweit kommen lassen und sein Leben verantwortungsbewusst nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen führen möchte, sollte sich mit sich selber anfreunden und auseinander setzen. Der beste Weg ist die Introspektion, also der Blick ins eigene Innere. Die Beobachtung des inneren Seelenlebens, Denkens, Fühlens und Empfindens. Hier gibt es zwei essentielle Bereiche, die den Prozess der Entscheidungsfindung maßgeblich beeinflussen:


1. Wertekanon

Was hat dich dein leben lang begleitet, geprägt und einzigartig gemacht? Es ist dein persönlicher Wertekanon, deine Moral und Weltanschauung. Jeder hat diese Trias in unterschiedlicher Form und Ausprägung vermittelt bekommen. Von Kindheit an! Da gibt es übernommene Rollenmuster, eingebläute Glaubenssätze und vermeintliche Idealvorstellungen, die unsere Entscheidungen beeinflussen oder sogar lenken. Wenn wir uns diese ganz genau vor Augen führen, sind wir den unsichtbaren Mechanismen nicht mehr ausgeliefert, sondern können uns ganz bewusst für oder gegen sie entscheiden.


2. Bedürfnisse

Jeder Mensch hat sie und jeder Mensch kennt sie. Bedürfnisse! Hunger, Durst, warme Kleidung, ein sicherer Ort zum Schlafen... das sind Grundbedürfnisse, die jedem von uns geläufig und bekannt sind. Daneben gibt es eine weit gefächerte, sehr bunte Liste an Bedürfnissen, die uns nicht sofort anspringen und erkennbar sind. Hier spielt sich vieles auf der emotionalen Ebene ab. Manche Entscheidungen, die aus dem Bauch getroffen werden, entspringen dem Wunsch, ein ganz bestimmtes Bedürfnisse genau in diesem Moment zu befriedigen. Wenn wir hier ganz klar werden, wissen und fühlen, was wir zum Zufrieden- und Glücklichsein brauchen, müssen wir uns über unerklärliche Entscheidungen nicht mehr wundern. Wir können sie nachvollziehen und in Zukunft viel bewusster handeln.


3. Ist- und Soll-Abgleich

Sobald wir in den Kontakt mit uns gehen und den inneren Dialog suchen, werden wir zu erstaunlichen Erkenntnissen kommen. Wir lernen uns besser kennen, können uns besser einschätzen und wissen, was wir zum Glücklich- und Zufriedensein auf der Werte- und Bedürfnisebene brauchen. Wenn wir diese innere Klarheit einmal gefunden haben, können wir in unserem näheren Umfeld schauen, was wir von unseren Idealen und Wünschen schon abdecken oder noch benötigen. Und wir können bewusst abwägen, wie realistisch und aufwendig deren Umsetzung ist. Darauf aufbauend können dann ganz konkrete und zielführende Entscheidungen getroffen werden.


Wenn Du Dich also auf die Suche nach deinen innersten Sehnsüchten machen möchtest, wenn du den Weg des achtsamen und selbstbestimmten Lebens beschreiten willst, wenn du nicht nur "auf Probe", sondern ganz verbindlich und authentisch leben willst, dann bekenne dich ehrlich dazu und handle danach...ohne Hintertürchen.


Ich begleite dich gerne bei deinem herausfordernden und wertvollen Selbsterkenntnis-Prozess.

Dieser Beitrag ist auch im Magazin von The-Coach.Net erschienen: https://the-coach.net

Geschrieben von:


Andrea-Maria Winkler

Assessorin, systemischer Coach, Tanzpädagogin, -therapeutin

Coach für alle Themen rund ums FrauSEIN bei :


"pure you -100 % du-"!

Sich BEkennen heißt authentisch sein!

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© 2016-2019 by Andrea Winkler Coaching

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